Beim 2. Internationalen Bürgerwindsymposium treffen sich heute auf Einladung der World Wind Energy Association (WWEA) sowie des LEE NRW rund 100 Experten und Praktiker aus 20 Ländern in Bonn. Neben aktuellen Fragen zum Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) und zur Bürgerenergieentwicklung in NRW bildet der internationale Austausch über Chancen und Perspektiven von Bürgerenergiegesellschaften einen Schwerpunkt der Veranstaltung.

Laut ersten Ergebnissen der neuen Bürgerwind-Studie von WWEA und LEE NRW verfehlt das gegenwärtige EEG 2017 deutlich das Ziel, die Akteursvielfalt zu erhalten. So dominierten in den bisherigen Ausschreibungsrunden wenige große Projektentwickler den Markt, die von der EEG-Sonderregeln für Bürgerenergieprojekte Gebrauch machten. Kleine Akteure aus lokalen Bürgerzusammenschlüssen gingen dagegen nahezu leer aus. Experten machen für dieses Versagen in erster Linie die unzureichende Definition von Bürgerenergie im EEG verantwortlich, die unter anderem nur willkürlich auf Stimmrechte abzielt. Dabei werden andere wichtige Aspekte, wie tatsächliche Geschäftsanteile und Beteiligung an der Gewinnausschüttung, nicht berücksichtigt. Die Veranstalter fordern deshalb eine klarere Definition von Bürgerenergie in das EEG aufzunehmen, bei der auch längere Haltefristen der Projekte und ein größerer Teilnehmerkreis zur Bedingung gemacht werden. Zudem sollte für bürgergetragene Projekte mit maximal drei Anlagen eine EU-rechtskonforme De-Minimis-Regelung greifen, die die Projekte von der Ausschreibung ausnimmt.

Eine solche Regel wäre auch für Bürgerwindgesellschaften in Nordrhein-Westfalen ein wichtiger Schritt, um beim Thema Bürgerwind wieder in die Offensive zu kommen. Doch anstatt solche Ansätze zu befürworten, hat die nordrhein-westfälische Landesregierung durch die Ankündigung pauschaler Abstandvorgaben von 1.500 m und eines weitestgehenden Waldverbots hier zusätzlich für enorme Verunsicherung in der Branche gesorgt.

„Bürgerenergieprojekte sind zentrale Treiber für mehr Akzeptanz, Wertschöpfung und Dynamik beim Ausbau der Erneuerbaren Energien vor Ort. Die NRW-Landesregierung sollte solche Initiativen daher gezielt unterstützen, statt mit unverhältnismäßigen pauschalen Vorgaben die Windenergie als eine zentrale Säule der Energiewende im Land auszubremsen.“, so Jan Dobertin, Geschäftsführer des LEE NRW.

Neben der speziellen Betrachtung der Bürgerenergie in NRW und bundesweit nimmt das Bürgerwindsymposium im 2. Teil am Nachmittag die internationalen Entwicklungen in den Blick. Die schon aus deutscher Perspektive diskutierten Probleme werden mit Teilnehmern u.a. aus Australien, Belgien, Dänemark, Japan, Kamerun, Kanada, Mali, Marokko, Mexiko und Simbabwe erörtert.

Stefan Gsänger, WWEA-Generalsekretär: „Grundsätzlich ist es erfreulich, dass weltweit ein deutlich zunehmendes Interesse an Bürgerenergie-Ansätzen festzustellen ist. Die Themen, die in Deutschland derzeit aktuell sind, betreffen aber fast alle Länder: Wie können Bürgerenergieakteure diskriminierungsfreien Zugang zu den Energiemärkten erhalten? Hier muss noch viel Aufklärungsarbeit bei Regierungen betrieben werden, auch was die handfesten Vorteile von Energie in Bürgerhand angeht. In diesem Sinne freuen wir uns insbesondere über die Bürgerenergie-Aktivitäten, die wir seit einiger Zeit zusammen mit IRENA durchführen.”