Der aktuelle Windenergiezubau in Nordrhein-Westfalen reicht nicht aus, um die Ausbauziele der Landesregierung bis 2025 zu erreichen. Das teilten der LEE NRW und der Bundesverband WindEnergie NRW (BWE NRW) am 26. November 2015 heute bei einer Pressekonferenz auf den Windenergietagen NRW im ostwestfälischen Bad Driburg mit. „Der Ausbau der Windenergie kommt in NRW immer noch nicht in Fahrt. Zwar gibt es einen stetigen Anstieg, aber mit den bis Herbst neu errichteten 184 Megawatt lässt sich der für die Landesziele benötigte Ausbau von jährlich gut 600 Megawatt auch in diesem Jahr nicht erreichen“, sagte Klaus Schulze Langenhorst, Vorsitzender des BWE NRW. Auch wenn der kürzlich veröffentlichte Windenergieerlass der Landesregierung in die richtige Richtung weise, brauche es dringend weitere Grundlagen für einen beschleunigten Windenergieausbau in NRW.

Nach aktuellen Auswertungen der Fachagentur Windenergie an Land wurden in diesem Jahr bis Ende September 73 neue Windenergieanlagen in NRW errichtet, die meisten davon im Regierungsbezirk Köln (33 Anlagen mit insgesamt 79 Megawatt). 17 Anlagen waren es im Regierungsbezirk Münster (45 Megawatt), 9 im Regierungsbezirk Detmold (25 Megawatt) sowie jeweils 7 in den Bezirken Düsseldorf und Arnsberg (beide jeweils 17 Megawatt).

In ihrem Koalitionsvertrag hat sich die NRW-Landesregierung das Ziel gesetzt, den Windstromanteil bis 2020 auf mindestens 15 Prozent zu erhöhen, den Anteil Erneuerbarer Energien bis 2025 auf 30 Prozent, wobei dann rund zwei Drittel des Stroms aus Windenergie stammen sollen. Dem hierfür notwendigen beschleunigten Windenergieausbau stehen aktuell jedoch noch unsichere Rahmenbedingungen und überfällige gesetzliche Grundlagen auf Landes- und Bundesebene entgegen.

So fordern LEE NRW und BWE NRW eine zügige Verabschiedung des neuen Landesentwicklungsplans (LEP), der insbesondere für die weitere Regionalund Bauleitplanung erhebliche Bedeutung hat. Denn derzeit sind nur die Bezirksregierungen Münster und Düsseldorf auf einem guten Weg, einen neuen Regionalplan zu verabschieden. Eine weitere zentrale Forderung der Branche ist die Evaluierung des Leitfadens Artenschutz durch die NRW-Landesregierung, um die Umsetzung von Windenergieprojekten nicht übermäßig zu verzögern.

„Wir wollen sauberen, sicheren und günstigen Strom. Die Windenergie garantiert uns künftig alles drei. Es wäre daher fatal, den Ausbau unserer Zukunftsenergie weiterhin durch rechtliche Hürden zu erschweren“, sagte Andreas Lahme, Vorsitzender des LEE NRW. Erst vor wenigen Tagen hatte eine Studie von Bloomberg New Energy Finance bestätigt, dass die Windenergie an Land mit einem Preis von 7,5 Cent je Kilowattstunde die Kohle als billigste Stromquelle in Deutschland abgelöst hat.

Auf Bundesebene verunsichern die Windenergiebranche die ab 2017 geplanten Ausschreibungen für die Windenergie an Land, durch die die Vergütung für Windstrom nicht mehr gesetzlich definiert, sondern wettbewerblich organisiert werden soll. Das vom Bundeswirtschaftsministerium vorgesehene Ausschreibungsdesign birgt die Gefahr, dass der Windenergieausbau nur noch in windstärkeren Regionen Deutschlands stattfindet und Binnenlandstandorte ausgegrenzt werden. Da jedoch nicht allein die Windverhältnisse über die Qualität eines Standortes entscheiden, hat der LEE NRW kürzlich gemeinsam mit dem NRW-Umweltministerium ein eigenes Ausschreibungsmodell für einen ausgewogenen Windenergieausbau entwickelt. Dessen Eignung haben zwei wissenschaftliche Gutachten kürzlich bestätigt. „Die Erneuerbare-Energien-Branche lehnt Ausschreibungen als ein Hemmnis des weiteren Windenergieausbaus nach wie vor ab. Wenn die Ausschreibungen aber kommen, brauchen wir ein Modell, das einfach und manipulationssicher ist und eine größtmögliche Chancengleichheit der Standorte garantiert. Denn wenn NRW ein starkes Industrie- und Energieland bleiben soll, dann benötigen wir auch hier vor Ort einen gesicherten Windenergieausbau“, sagte Lahme.

Die Windenergietage in Bad Driburg haben sich mit ihrer mittlerweile vierten Veranstaltung zu einem zentralen Treffpunkt der Windbranche etabliert. Mehr als 350 Teilnehmer und 35 Aussteller sind 2015 vertreten, um in Vorträgen und Fachforen über aktuelle Entwicklungen der Windenergie zu diskutieren. Themenschwerpunkte sind neben den Ausschreibungen auch Fragen der Akzeptanz. Neben einem erstmals stattfindenden Akzeptanzforum wird die bedarfsgerechte und akzeptanzsteigernde Befeuerung von Windenergieanlagen diskutiert. Partner der Veranstaltung sind die EnergieAgentur.NRW und die Agentur für Erneuerbare Energien.

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