Nordrhein-Westfalen liegt beim Ausbau und den Erfolgsfaktoren für Erneuerbare Energien nur auf dem zehnten Rang. Das ist das Ergebnis einer neuen Ländervergleichsstudie für Erneuerbare Energien. Die Autoren sehen für das Land insgesamt eine leicht positive Entwicklung, warnen aber, dass die neue Landesregierung diese jüngsten Erfolge – etwa mit Einschränken bei der Windenergie – aufs Spiel setze. Gerade der immer noch maßgeblich durch die Kohlenutzung geprägte Energiestandort NRW brauche laut Studie eine verstärkte politische Unterstützung und gezielte Ansiedelungsstrategien im Bereich der Erneuerbaren Energien.

„Die Studie zeigt, dass in den letzten Jahren einiges für die Energiewende in NRW erreicht wurde, zugleich aber weiterhin große Aufgaben vor uns liegen. Gerade angesichts der Herausforderungen des Klimaschutzes, die aktuell auf der Weltklimakonferenz in Bonn diskutiert werden, sollte die Studie für die Landesregierung Ansporn und Mahnung zugleich sein, den begonnenen Weg in allen Bereichen der Energiewende mit Nachdruck weiterzuführen“, kommentierte der Geschäftsführer des LEE NRW, Jan Dobertin, die Ergebnisse.

Dabei wiesen die Ansätze und Maßnahmen der neuen Landesregierung bei der E-Mobilität in die richtige Richtung. Basis für eine klimafreundliche Strom-, Wärme- und Mobilitätsnutzung müsse aber ein deutlicher Schub beim Ausbau aller Erneuerbaren sein und keine neuen unverhältnismäßigen Restriktionen, wie bei der Windenergie. Dobertin weiter: „Klar ist: Nur mit einem ambitionierten Ausbau Erneuerbarer Energien und einem gleichzeitigen Rückzug aus der Kohle kann Nordrhein-Westfalen seinen notwendigen Beitrag zum Klimaschutz leisten und zugleich zukunftsorientierte Wertschöpfung und neue Arbeitsplätze im Land sichern!“

In der Studie macht NRW im Gesamtranking der Länder den größten Sprung von Platz 14 (Studie 2014) auf Platz zehn. Bei den Anstrengungen zur Nutzung Erneuerbarer Energien liegt NRW auf Platz sieben, kommt bei den energiepolitischen Anstrengungen aber nur auf einen der hinteren Plätze (Platz elf). Aufgrund des Regierungswechsels im Frühjahr bewertet die Studie die Energiepolitik der Vorgängerregierung: „insgesamt gut“ – NRW belegt hier den dritten Platz. Deutlich schwächer fällt das Urteil unter Berücksichtigung des aktuellen Koalitionsvertrages für die Windenergie aus. Das Land schafft es hier nicht über den geteilten zehnten Platz hinaus.

In NRW beruht die Energieversorgung mit 37,4 Prozent noch immer maßgeblich auf der Kohle (Steinkohle 19%, Braunkohle 18,4%), Erdgas folgt mit 16,4 Prozent – gemessen am Primärenergieverbrauch. Erneuerbare Energien tragen in NRW nur knapp fünf Prozent bei. Bundesweit beträgt der Anteil fast 13 Prozent.

Die Studie wurde vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und des Zentrums für Sonnenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) im Auftrag der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) erstellt. Es ist die bisher fünfte Veröffentlichung in dieser Studienreihe seit 2008.

Alle Studienergebnisse gibt es hier: https://www.unendlich-viel-energie.de/