v.l. Karl Prinz zu Wittgenstein, Dr. Peter Neuhaus, Thomas Frye, Erik Höhne, Hans-Josef Vogel, Dieter Dzewas, Markus F. Schmidt, Dietmar Schüwer, Jan Dobertin

Der globale Klimawandel mag zunächst abstrakt erscheinen, allerdings müssen die Menschen mit den damit verbundenen Herausforderungen vor der eigenen Haustür zurechtkommen. Daher stehen Regionen und Kommunen vor der Frage, welchen Beitrag sie leisten können. Zu dieser und vielen weiteren Fragen lädt der LEE-Regionalverband Südwestfalen heute in die ENERVIE-Zentrale in Hagen ein.

Erneuerbaren Energien kommt beim lokalen Engagement für den Klimaschutz eine entscheidende Rolle zu. Denn eine gelingende Energiewende schützt nicht nur Umwelt und Klima. Karl Wittgenstein, Vorsitzender des LEE-Südwestfalen, weist vor allem auf große Wertschöpfungspotenziale für die Kommunen und mittelständischen Unternehmen hin. „Die Erneuerbaren Energien sind mit jährlich über einer Milliarde Euro größter Investor in Kraftwerkstechnik in NRW. 46.000 Beschäftigte arbeiten bei uns im Land in diesem Bereich. Und die Kommunen profitieren von Gewerbesteuereinnahmen in Millionenhöhe: Statt hoher Ausgaben für fossile Brennstoffimporte bringt die Energiewende neue Wertschöpfung und Arbeitsplätze, Innovationen und im besten Sinne des Gemeinwesens auch die Möglichkeit, gemeinsam Projekte erfolgreich zu realisieren.“

Allerdings dürfe Südwestfalen seine Chancen auch nicht verpassen, so Wittgenstein. „Bei der Windenergie letzte, bei der Photovoltaik vorletzte Region und beim Anteil Erneuerbarer Energien am Stromverbrauch nur Mittelfeld in NRW: Daran sieht man ganz klar, dass Südwestfalen noch zu viel Potenzial verschenkt bei der Energiewende“, deutet der Regionalvorsitzende die aktuelle Erneuerbare-Energien-Bilanz, die der Verband erst gestern vorgestellt hat.

Auch Hans-Josef Vogel, Regierungspräsident des Regierungsbezirks Arnsberg, ist sich sicher, dass Südwestfalen profitieren kann: „Die Energiewende beinhaltet erhebliche Chancen für Südwestfalen – insbesondere im Zusammenspiel von Digitalisierung und Elektromobilität. Da sind die erneuerbaren Energien für den Lebens- und Arbeitsalltag jeder und jedes Einzelnen neu gefragt“. Für die Windkraft sei, so Vogel, eine neue Akzeptanz vor Ort zu erarbeiten, die die Vorteile der Waldregion Südwestfalen berücksichtige.

Dass der Handlungsdruck steigt, die Energiewende ganzheitlich umzusetzen, bestätigt Dietmar Schüwer, Projektleiter in der Abteilung Zukünftige Energie- und Mobilitätsstrukturen beim Wuppertal Institut: „Die Klimaschutzziele des Weltklimavertrages von Paris erreichen wir nur, wenn wir unseren CO2-Ausstoß massiv verringern. Energieeffizienz und Erneuerbare Energien sind dafür Schlüsseltechnologien, um unseren Strom, aber auch unsere Gebäude, die Industrie und den Verkehrsbereich klima- und umweltfreundlich umzustellen. Dabei kommt es natürlich auch auf das Engagement der Regionen und Kommunen vor Ort an.“

Der Regierungsbezirk Arnsberg belegt im NRW-Ranking nur hintere Plätze. Mit einem Anteil regenerativen Stroms am Stromverbrauch von 10,5 Prozent, liegt die Region auf dem dritten Platz nach Detmold und Münster, vor Köln und Düsseldorf. Bei der insgesamt installierten Leistung Erneuerbarer Energien liegt Arnsberg auf dem vorletzten Platz. Nur der Regierungsbezirk Düsseldorf schneidet schlechter ab.

Bei der Veranstaltung in Hagen werden neben Regierungspräsident Hans-Josef Vogel und Dietmar Schüwer (Wuppertal Institut), Dieter Dzewas, Bürgermeister der Stadt Lüdenscheid, Thomas Frye (IHK Arnsberg) sowie Dr. Peter Neuhaus (Klimawelten Hilchenbach) mögliche Maßnahmen und Perspektiven für die Region darlegen.