Die Erneuerbare-Energien-Branche in NRW hat zum 20. Tag der Erneuerbaren Energien einen schnellstmöglichen Umstieg auf Erneuerbare Energien gefordert.

Anlässlich der gleichzeitig stattfindenden Anti-Kohle-Kette entlang des Braunkohletagebaus Garzweiler sagte Jan Dobertin, Geschäftsführer des LEE NRW: „Während die Menschen in Garzweiler berechtigterweise den schrittweisen Ausstieg aus der klimaschädlichen Braukohle fordern, richten wir unseren Blick an diesem Tag auf die Hauptdarsteller des Energiesystems von morgen, die Erneuerbaren Energien. Mit ihnen schaffen wir den Umstieg auf eine sichere, saubere und bezahlbare Energieversorgung, der in allen Bereichen entschieden weiter vorangetrieben werden muss.“ Der verstärkte Ausbau sei nötig im Stromsektor, aber gerade auch in den bisher sehr vernachlässigten Bereichen Wärme und Verkehr.

Schon heute sind die Erneuerbaren Energien mit einem Anteil von rund 28 Prozent führender Energieträger in der bundesweiten Stromversorgung, seit 2014 erstmals vor der Braunkohle. Im Wärmebereich wird jedoch bisher nur jede zehnte Kilowattstunde regenerativ erzeugt, im Verkehrssektor beträgt der Anteil regenerativer Energien gerade einmal fünf Prozent. In Nordrhein-Westfalen liegt der Anteil der Erneuerbaren an der Stromversorgung bei lediglich rund zehn Prozent, im Wärmebereich bei etwa vier Prozent.

Dabei sind Erneuerbare Energien zunehmend wettbewerbsfähig. Nach einer im Februar 2015 veröffentlichten Studie des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) wird Sonnenenergie im Jahr 2025 mit Kosten zwischen 4 und 6 Cent je Kilowattstunde Strom günstigste Energiequelle in Mittel- und Südeuropa sein. Bereits heute produzieren laut ISE größere Solaranlagen in Deutschland Strom für weniger als 9 Cent, während es 2005 noch über 40 Cent waren. Windstrom kostet je nach Standort zwischen 6 und 9 Cent. Zum Vergleich: Die Preise für Strom aus neuen Kohlekraftwerken liegen zwischen 5 und 10 Cent. Während beim heutigen Bau einer Windenergie- oder Solaranlage über die mindestens 20-jährige Betriebsdauer sicher mit den Erzeugungspreisen gerechnet werden kann, gibt es bei fossilen Kohlekraftwerken immer die Gefahr steigender Brennstoff- oder Betriebskosten.

Als heimische Energieträger machen die Erneuerbaren Energien unabhängig von teilweise unsicheren Lieferbeziehungen für fossile Energieträger aus dem Ausland. Zudem sind regenerative Energien klima- und umweltfreundlich. So verursacht beispielsweise die Produktion einer Kilowattstunde Windstrom gerade einmal rund ein Fünfzigstel der Treibhausgasemissionen, die bei der Braunkohle als klimaschädlichstem Energieträger anfallen.

Der Tag der Erneuerbaren Energien ist eine deutschlandweite Initiative, die ins Leben gerufen wurde, um der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zu gedenken. Im Jahr 1996 gestartet, will der Tag der Erneuerbaren Energien Bürgerinnen und Bürgern zeigen, wie die dezentrale Energiewende vor Ort funktioniert. Bundesweit gestalten Unternehmen, Verbände und Privatpersonen mit über hundert Aktionen den Tag der Erneuerbaren Energien.

Auch in NRW finden unter anderem folgende Veranstaltungen statt:

  • Die Enercon GmbH beteiligt sich in Möhnesee-Echtrop mit einem „Tag der Offenen Windenergieanlage“.
  • Die Lippstädter Anwaltskanzlei Engemann und Partner weiht eine Ladesäule für Elektro-Fahrzeuge ein, die Strom aus Erneuerbaren Energien bereithält.
  • Der Bürgerwindpark Hilchenbach veranstaltet eine Wanderung über den Informationsweg des Windparks. Zusätzlich kann eine Windenergieanlage besichtigt werden.
  • Die Lüning GmbH in Anröchte zeigt im Rahmen eines „Tags der offenen Tür“ Pellet- und Holzheiztechnik und informiert über zukunftsweisende Hybridtechnologien.
  • Die Lokale Agenda 21 lädt zum Besuch der Windenergieanlage am Sprengelweg in Porta Westfalica ein.
  • Die Klimakommune Saerbeck führt mit einer Fahrradtour durch den Bioenergiepark Saerbeck.
  • In Mettingen informiert eine Energiesparmesse über den möglichen Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen, Wärmegewinnung und Stromerzeugung durch Photovoltaik.

„Die Energiewende läutet ein neues Energiezeitalter ein: Vorbei sind die Zeiten, in denen unsere Energieversorgung in den Händen weniger fossiler Großkraftwerksbetreiber lag. Die Stärke der Energiewende ist, dass sie von unten getragen wird, von Bürgern, Landwirten und dem Mittelstand. Das macht der Tag der Erneuerbaren Energien bundesweit deutlich“, so Dobertin.

Weitere Informationen zum Tag der Erneuerbaren Energien finden Sie auf der Webseite der Initiative.