Trotz eines erwarteten Rekordzubaus von über 500 Megawatt (MW) im Jahr 2016 zeigt sich die Windenergiebranche hinsichtlich der Zukunftsaussichten skeptisch. Denn selbst mit dem diesjährigen Höchstwert werden die Ausbauziele der nordrhein-westfälischen Landesregierung für die Windenergie voraussichtlich erneut verfehlt, so die Einschätzung des LEE NRW und des Bundesverbandes WindEnergie NRW (BWE NRW) auf den Windenergietagen NRW im ostwestfälischen Bad Driburg: „Der Ausbautrend der Windenergie in NRW zeigt in den letzten Jahren eine erfreuliche Entwicklung. Dabei werden wir im Jahr 2016 einen Zubau erreichen, der dem erforderlichen Volumen für das Erreichen der Landesziele schon deutlich nahekommt. Allerdings stellt das Erneuerbare-Energien-Gesetz 2017 die Branche vor eine riesige Herausforderung und nicht nur die Wirtschaftlichkeit vieler Projekte steht in Frage. Besonders die für die örtliche Akzeptanz wichtigen Bürgerprojekte und kleinere Gesellschaften sorgen sich um die Zukunft“, sagte Klaus Schulze Langenhorst, Vorsitzender des BWE NRW.

Neben dem neuen Ausschreibungsmodell des EEG 2017 stehen zwei weitere Themen bei dem Branchentreff in Bad Driburg im Mittelpunkt: Artenschutz und Akzeptanz. Der Vorsitzende des LEE NRW, Andreas Lahme, sieht grundsätzlich keine Gegensätze zwischen Windenergie und Artenschutz, im Gegenteil: „Artenschutz ist wichtig und richtig. Allerdings sehen wir immer häufiger, dass er als Verhinderungsgrund gegen Windprojekte instrumentalisiert wird. So gelingt uns die Wende, weg von den atomaren und fossilen Energieträgern und hin zu den Erneuerbaren, aber nicht. Die Windenergie ist der Motor der Energiewende und für das Klima und die Umwelt unabdingbar. Daher brauchen wir Regelungen mit mehr Augenmaß! Sonst ist dieses erfolgreich initiierte Zukunftsprojekt ernsthaft gefährdet.“ Die beiden Verbände fordern daher von der Landesregierung eine dringende Überarbeitung des Leitfadens Artenschutz sowie dessen konsequente Anwendung durch die Genehmigungsbehörden auf Kreisebene.

Gleichzeitig brauche es mehr akzeptanzfördernde Maßnahmen und ein starkes Engagement für den Windenergieausbau vor Ort. Zwar genössen die Erneuerbaren Energien weiterhin allgemein eine hohe Zustimmung in der Bevölkerung. Auf der lokalen Ebene könne es dann aber teilweise ganz anders aussehen. Akzeptanz habe sich somit zu einer Gretchenfrage entwickelt: Fehle die Akzeptanz, blieben Projekte schon in den Kinderschuhen stecken. Daher stehe das Thema auch bei den diesjährigen Windenergietagen NRW im Fokus. Hier tausche sich die Branche über Erfahrungen mit Projekten aus der Praxis aus – auch über die nordrhein-westfälischen Landesgrenzen hinaus.

Während im ersten Halbjahr 2015 insgesamt 112 Megawatt an Windenergieleistung in Nordrhein-Westfalen zugebaut wurden, vermeldet die Fachagentur Windenergie an Land für das erste Halbjahr 2016 schon einen Zubau von gut 280 Megawatt – ein Plus von 150 Prozent. Das entspricht 103 neuen Windenergieanlagen in ganz NRW. Im gesamten Jahr 2015 wurde ein Zubau von nur 420 Megawatt verzeichnet. Für 2016 rechnet die Branche jetzt mit einem Zubau von über 500 Megawatt. Die Ausbauziele der Landesregierung sehen vor, 15 Prozent des Stroms bis 2020 aus Windenergie zu beziehen und bis 2025 30 Prozent des Strombedarfs in NRW mit Erneuerbaren Energien zu decken. Dafür ist fortan ein jährlicher Windenergiezubau von mehr als 650 Megawatt notwendig.

Die Windenergietage in Bad Driburg haben sich in den vergangenen fünf Jahren zum zentralen Treffpunkt der nordrhein-westfälischen Windbranche etabliert. Zum Jubiläum 2016 sind rund 50 Unternehmen und Verbände als Aussteller auf der Messe vertreten. Mit über 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmern kann die Fachveranstaltung einen neuen Besucherrekord vermelden. Projektierer, Planer und Betreiber aus NRW und ganz Deutschland informieren sich in Vorträgen und Fachforen zu allen Themen der Windenergie und diskutieren die Herausforderungen und Chancen für die Branche in NRW.