Damit die Energiewende gelingt, müssen wir alle mit anpacken. Auf den ersten Blick scheint das schnell überfordernd. Doch es gibt genug Dinge, die jeder Einzelne von uns ganz einfach umsetzen kann. Hier sind 10 Vorschläge.

Klimaschutz, Kohleausstieg und Energiewende sind in aller Munde. So intensiv wie lange nicht mehr wird darum gerungen, wie es uns gelingt klimafreundlicher zu leben. Die Fridays For Future-Bewegung hat maßgeblich zur öffentlichen Diskussion beigetragen. Doch entscheidend ist, dass jeder mit anpackt. Denn nur gemeinsam kann solch ein Jahrhundertprojekt wie die Energiewende gelingen. Dabei sollte sich jeder selbst einige kritische Fragen stellen: Was tue ich eigentlich schon für den Klimaschutz? Was kann ich vielleicht besser machen? Wir haben 10 Dinge gesammelt, die jeder von uns tun kann, um Energiewende und Klimaschutz voranzutreiben. Los geht’s!

1. Ökostrom nutzen!

Wer die Energiewende selbst voranbringen will, kann das hervorragend mit echtem Ökostrom machen. "Na klar", denken Sie jetzt, "das müssen die ja sagen!". Da haben Sie wohl nicht ganz unrecht. Wir sind schließlich der Verband für die Erneuerbaren Energien. Aber Fakt ist: Die Nutzung von regenerativer Energie ist die tragende Säule der Energiewende. Ohne Erneuerbare keine Energiewende. Und das Gute für Sie: Es geht ziemlich leicht. Der Wechsel des Stromanbieters klappt in der Regel innerhalb weniger Minuten über das Internet. Meistens kümmert sich sogar Ihr neuer Anbieter darum, Ihren alten Vertrag zu kündigen.

Sie müssen nur darauf achten, dass Sie auch vernünftigen Ökostrom bekommen. Ob es auch unvernünftigen gibt? Na ja, man muss genau hinschauen. Denn viele Anbieter haben rein bilanzielle Verträge etwa mit Ökostromproduzenten in Norwegen. Dort gibt es Strom aus Wasserkraft in Hülle und Fülle. Problem dabei: Die Wasserkraft aus Norwegen kommt bei Ihnen nur auf dem Papier an. Mehr Erneuerbare Energien bei uns gibt es dadurch nicht. Besser ist es, Sie suchen sich einen Anbieter, der möglichst vor Ort Strom aus Wind, Sonne, Biogas oder Wasserkraft erzeugt. So unterstützen Sie die Energiewende in Ihrer Region. Denn davon profitiert dann nicht nur das Klima. Die Erneuerbaren Energien sorgen auch für eine ganze Menge Arbeitsplätze und bringen Wertschöpfung zu uns.

Das überzeugt Sie? Dann schauen Sie z.B. mal beim Portal utopia.de rein. Utopia vergleicht regelmäßig nach festgelegten Kriterien verschiedene Ökostromanbieter.

2. Energie sparen!

Jede nicht verbrauchte Kilowattstunde muss auch nicht erzeugt werden und ist somit eine Kilowattstunde für Energiewende und Klima. Immer noch wird zu viel Strom einfach verschleudert. Geräte, die auf Stand-By stehen, statt ganz ausgeschaltet zu sein. Lampen, in denen immer noch eine Erfindung von vor 130 Jahren werkelt: die Glühbirne. Man glaubt es kaum, gibt's aber immer noch! Dabei sind wir ja durchaus schon ein Stückchen weiter in der technischen Entwicklung. Moderne LEDs verbrauchen bis zu 90% weniger Strom als eine Glühbirne – bei gleicher Lichtausbeute!

Gerade jetzt im Winter wieder ein heißes Thema: das richtige Heizen. Hier lässt sich besonders effektiv Energie einsparen, denn in den allermeisten Haushalten wird noch mit Öl oder Gas geheizt – also klimaschädlichen fossilen Energieträgern. Nicht umsonst wird das Potenzial der Wärmewende als „Schlafender Riese“ bezeichnet. Und mal ehrlich, muss die Wohnung wirklich noch im tiefsten Winter auf sommerliche 23 Grad aufgeheizt werden? Wenn dazu noch eine schlechte Dämmung verbaut ist, heizt man schnell zum Fenster raus. Das ist schlecht fürs Klima und fürs eigene Portemonnaie: Für jedes Grad weniger spart man etwa sechs Prozent Heizkosten ein.

3. Für Mieter: Vermieter ansprechen!

Sie wohnen zur Miete? So, wie rund 60 Prozent der Deutschen? Dann sprechen Sie mal mit Ihrem Vermieter. Gibt es bereits eine Solaranlage auf dem Haus? Wird die Wärme regenerativ erzeugt z.B. durch eine Wärmepumpe? Nutzen Sie schon Ökostrom? Wenn Sie dafür sorgen wollen, dass das Haus, in dem Sie leben, ökologischer wird, schlagen Sie ein Mieterstrommodell vor!

Mieterstrom heißt, dass eine Photovoltaikanlage auf dem Hausdach erneuerbaren Strom erzeugt, der von allen Mietern genutzt werden kann. Gibt es mehr Solarstrom, als die Mieter nutzen, geht der Überschuss ins Stromnetz.

Sie haben noch nie davon gehört? Kein Wunder. Leider gibt es noch immer viel zu viele bürokratische Hürden, die solch innovative Modelle unnötig kompliziert machen. Davon sollten Sie sich aber nicht abschrecken lassen! Bei der Verbraucherzentrale NRW, der EnergieAgentur.NRW oder auch unserem Mitgliedsunternehmen naturstrom bekommen Sie viele weitere Informationen zum Thema Mieterstrom. Derweil setzen wir uns dafür ein, die Rahmenbedingungen zu verbessern, damit Mieterstromkonzepte in Zukunft einfach, schnell und verständlich umzusetzen sind.

4. Für Eigentümer: Erneuerbare Energien selbst machen!

Sie sind Hauseigentümer? Dann haben Sie sehr wahrscheinlich eine Möglichkeit, ganz vorne mit dabei zu sein, bei der Energiewende: indem Sie selbst Erneuerbare Energien erzeugen. Etwa mit einer Solaranlage oder einer Wärmepumpe.

Aber auch für Mehrfamilienhäuser gibt es immer mehr Möglichkeiten. Mieterstrom ist hier das Schlagwort. Kurz gesagt: Sie installieren eine Solaranlage auf Ihrem Objekt und verkaufen den Solarstrom an Ihre Mieter. Davon profitieren alle. Sie können damit Geld verdienen, Ihre Mieter können damit günstigeren Strom vom eigenen Dach bekommen - und das auch noch klimafreundlich! Zugegeben: Das Modell ist noch nicht perfekt und leider ganz schön bürokratisch. Aber es geht! Und wir setzen uns dafür ein, dass es bald einfacher und schneller möglich ist. Links zu weiteren Informationen finden Sie oben bei den Mieter-Infos.

5. Politik unterstützen, die Energiewende macht!

Der Energiesektor ist hoch reguliert. Das heißt, dass die Politik einen sehr großen Einfluss auf die Energiewende hat. Werfen Sie daher einen genauen Blick in die Parteiprogramme, wenn es Ihnen wichtig ist, dass die Energiewende vorankommt. Nicht alle Parteien setzen sich gleichermaßen für Klimaschutz und Energiewende ein. Von denen, die den Klimawandel gleich ganz leugnen, wollen wir gar nicht erst anfangen. Machen Sie sich also selbst ein Bild und nutzen Sie Ihre Stimme.

Die eigene Stimme zu nutzen und sie für den Klimaschutz einzusetzen ist vor allem bei Bundes- und Landtagswahlen ein gutes Mittel, um Einfluss zu nehmen. Aber auch im Kleinen lässt sich viel bewirken. In Ihrer Gemeinde oder Kommune werden viele Entscheidungen getroffen, die zwar „klein“ erscheinen, aber eine große Auswirkung auf die Energiewende haben können. Zum Beispiel wenn es darum geht, Flächen für Solar- oder Windenergie zu finden.

Am 13. September 2020 sind in NRW Kommunalwahlen: Auch hier können sie sich für mehr Klimaschutz in der Politik stark machen. Sprechen Sie mit Ratsmitgliedern, schreiben Sie Ihrem Bürgermeister oder beteiligen Sie sich, indem Sie eigene Verbesserungsvorschläge machen. Manchmal braucht es nicht viel, um einen Stein ins Rollen zu bringen!

6. Organisationen unterstützen, die Energiewende machen!

Keine Sorge, beim Einsatz für Energiewende und Klimaschutz sind Sie nicht auf sich allein gestellt. Es gibt eine Vielzahl kleinerer und größerer Organisationen, die sich aktiv für die Energiewende einsetzen – auch bei Ihnen vor Ort.

Das bekannteste Beispiel ist wohl die Fridays For Future-Bewegung. Hier versammeln sich längst nicht mehr nur Schüler: Von Entrepreneurs For Future über Omas For Future bis hin zu den Scientists For Future – hier findet jeder seine Nische. Doch auch andere Vereine und Initiativen setzen sich für den Klimaschutz ein wie etwa die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie. Und je mehr Menschen sich beteiligen, desto weniger kann man über sie hinwegsehen. Gemeinsam schaffen wir mehr!

Recherchieren Sie, ob es in Ihrer Region eine Initiative für die Energiewende gibt. Und ja, Sie können natürlich auch gerne uns, den LEE NRW, unterstützen. Sie finden es gut, dass wir uns für die Erneuerbaren Energien einsetzen? Dann werden Sie Mitglied in unserem Verband!

7. Bewusst konsumieren!

Haben Sie auch schon mal im Winter frische Himbeeren gekauft? Schauen Sie mal, woher die leckeren Früchte kommen. Häufig reisen Himbeere, Avocado und Co um die halbe Welt, bevor sie in unserem Müsli oder auf dem Teller landen. Dafür muss eine enorme Menge Energie aufgebracht werden. Das lässt sich leicht vermeiden: Indem Sie auf regionale und saisonale Produkte setzen.

Was das alles mit der Energiewende zu tun haben soll? Der Sinn des ganzen Projektes liegt ja im Klimaschutz. Und der erschöpft sich eben nicht im privaten Stromverbrauch. Alles was wir konsumieren muss vorher produziert werden. Was wir essen, was wir anziehen, überhaupt alles was wir in den Supermarktregalen sehen: Bei der Herstellung und beim Transport wurde schon eine große Menge an Energie eingesetzt und weitere Ressourcen verbraucht bevor wir ein Produkt in den Händen halten.

8. Klimafreundlich reisen!

Nicht nur Avocados sollten weniger reisen. Auch wir sollten unser Reiseverhalten kritisch hinterfragen. Uns Deutschen wird nachgesagt, Reise-Weltmeister zu sein. Aber muss der nächste Wochenendtrip wirklich mit dem Billigflieger sein? Kann die nächste Reise nicht vielleicht doch klimafreundlich mit der Bahn gemacht werden?

Klar, es ist so einfach: Nach Mailand zum Shoppen, schnell für einen Termin nach Berlin und der Sommerurlaub auf Mallorca gehört schließlich dazu. Dabei verpasst man so viel, wenn man dauernd „schnell mal wohin“ fliegt. Und dem Klima schadet man obendrauf.

Dabei müssen Sie gar nicht auf Ihren wohlverdienten Urlaub verzichten. Es hilft, anders zu denken: Warum sollte man nicht schon den Hinweg zum Traumstrand als Teil der Reise gestalten? Denn wer hat am Ende mehr erlebt und die spannenderen Geschichten zu erzählen? Diejenigen, die von Flughafen zu Flughafen hetzen? Oder die, die auf dem Weg nach Mallorca noch einen Kaffee unterm Eifelturm trinken und vor der Fahrt mit der Fähre noch Tapas in Barcelona genießen?

9. Geld bewusst anlegen!

Ist das Konto schon leergefegt und noch zu viel Monat übrig? Damit das kein Dauerzustand ist, legen die meisten Leute regelmäßig etwas beiseite. Auch hier wird uns Deutschen nachgesagt, Weltmeister zu sein: im Sparen!. Unfassbare sechs Billionen Euro lagen Ende 2018 hier zu Lande auf der hohen Kante. Immer noch wird viel davon in Form von Bargeld gehortet oder auf Giro- und Tagesgeldkonten verwahrt. Aber natürlich investieren die Leute auch in Lebensversicherungen oder Aktien. Hoch im Kurs stehen seit einigen Jahren auch sogenannte Indexfonds oder ETFs, mit denen breit gefächert und bei vergleichsweise geringem Risiko am Aktienmarkt investiert wird.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, in was Sie da eigentlich investieren? In der Regel beschäftigen sich die meisten Anleger bei der Kapitalanlage mit der Rendite: Was kommt am Ende bei der Investition rum? Aber immer mehr Menschen fragen sich mittlerweile, wo Ihr Geld landet. Bei einem genaueren Blick auf die Anlage kommt dann mitunter ein böses Erwachen: Der gewählte Aktienfonds kauft auch Anteile von Unternehmen, die Waffen, Atomenergie und Kohlekraftwerke herstellen oder betreiben. Erst dann wird vielen bewusst, dass auch bei der Anlage nicht nur der Blick „aufs Geld“ zählt.

Wer sich also für Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Energiewende einsetzen will, der ist gut beraten, sich eine „grüne“ Investitionsmöglichkeit zu suchen. Informationen dazu bietet beispielsweise das Verbraucherportal Finanztip, die Stiftung Warentest oder auch das Portal Utopia.

10. Tue Gutes und rede darüber!

Zu guter Letzt: erzählen Sie anderen davon, was Sie bereits machen. Reden Sie mit Familie, Freunden, Bekannten und Ihren Kolleginnen und Kollegen darüber. Erzählen Sie weiter, was Sie an der Energiewende begeistert, warum Sie sich, wie auch immer, dafür engagieren. Je mehr Leute sehen, was die Energiewende uns allen bringt, desto mehr machen mit. Packen wir es an!

Bonus: Einfach anfangen!

"So viel soll ich jetzt machen? Das schaffe ich doch eh nicht!". Haben Sie sich gerade bei diesem Gedanken erwischt? Keine Angst. Das Gefühl trügt. Denn Sie müssen gar nicht alles schaffen. Fangen Sie klein an. Suchen Sie sich für den Anfang ein paar von unseren Vorschlägen raus. Denn: Überhaupt irgendetwas zu machen ist besser als gar nichts zu tun.

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