Checkliste für Klimaschutz und Energiewende für Kommunal-PolitikerInnen.

Umwelt, Klima und Wirtschaft

Das waren die wahlentscheidenden Themen bei der Kommunalwahl. Die große Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger fordert, dass sich etwas ändern muss –im Großen wie im Kleinen. Denn der Klimawandel mag ein globales Problem sein, doch in den Kommunen liegt der Schlüssel zu einer dezentralen Lösung. Der kommunalen Ebene kommt damit eine bedeutende Rolle zu. Und es gibt bereits eine Menge Möglichkeiten loszulegen. Worauf also noch warten? Wir zeigen Ihnen, was Sie jetzt in Bewegung setzen können.

1. Das Wichtigste: Mit gutem Beispiel voran gehen

Die Verwaltung nimmt für die Bürgerinnen und Bürger eine wichtige Vorbildfunktion ein: Wenn Sie mit Ihrer Verwaltung der Energiewende und dem Klimaschutz höchste Priorität einräumen, hat das eine Signalwirkung auf die Bevölkerung. Wer am eigenen Beispiel zeigt, was nötig und was möglich ist, steckt andere durch seinen Tatendrang an: Gelungene Beispiele machen Schule!

Nehmen wir etwa die Klimakommune Saerbeck. Die Kommune ist Vorreiterin bei den Erneuerbaren und lockt seit Jahren Touristen und Experten ins Münsterland. Hier schaut man sich ab, was andernorts noch umgesetzt werden muss. Oder das Beispiel Lichtenau. Die Windhochburg in Ostwestfalen mit 11.000 Einwohnern prosperiert dank über 170 Windrädern –zum Wohle aller. Wer vorangeht, profitiert. Nicht nur vom guten Ruf durch das Engagement für unser Klima. Sondern auch handfest durch Bürgerbeteiligung, Pacht-und Gewerbesteuereinnahmen sowie Jobs und Aufträge für das lokale Gewerbe.

2. Selbst Erneuerbare-Energien-Anlagen installieren

Der schnellste Weg, um die Energiewende in Ihrer Kommune voranzutreiben ist es, eigene Erneuerbare-Energien-Anlagen zu betreiben. Vor allem Solarenergie bietet sich hier an: Viele kommunale Gebäude, vom Schwimmbad über Schulen bis hin zum Rathaus, haben häufig große Dachflächen, die sich für Photovoltaik-Anlagen bestens eignen.

Damit können Sie innerhalb kurzer Zeit zum klimafreundlichen Stromerzeuger werden. Wird der Strom dann auch zur Eigenversorgung genutzt, lässt sich gleichzeitig eine Menge Geld auf der Stromrechnung sparen. Worauf also noch warten? Legen Sie los: Werfen Sie einen Blick in das Solarkataster des Landes NRW und suchen Sie nach einer Adresse, die geeignet sein könnte.

3. Flächen für Erneuerbare Energien ausweisen

Es liegt in der Hand jeder einzelnen Kommune die Erneuerbaren Energien von Anfang an in die Flächenplanung mit einzubeziehen. Wo können Windräder stehen? Welche Flächen eignen sich für Freiflächen-Photovoltaik? Je früher diese Fragen geklärt sind, desto schneller kann es an den geplanten Aufbau von Anlagen gehen. So gestalten Sie als Kommune zusammen mit Ihren Bürgern aktiv Ihre Flächenplanung. Das schafft Akzeptanz für die Energiewende und Klarheit darüber, wie sich die Region vor Ort weiterentwickelt kann.

4. Die Energieversorgung (re-)kommunalisieren

Viele Kommunen haben Konzessionsverträge mit Netzbetreibern geschlossen, die den Vertragspartnern den Ausbau und Betrieb der Strom-oder Gasnetze erlauben. Bis 2029 werden allein in NRW mehr als 200 solcher Verträge auslaufen. Prüfen Sie, ob es sich auch in Ihrer Kommune lohnt, das Netz vor Ort wieder in Eigenregie zu betreiben. Hier liegt eine große Chance, sowohl für kommunale Wertschöpfung als auch für die Energiewende: Denn die Einnahmen aus dem Betrieb bleiben direkt bei Ihnen vor Ort und Sie erhalten energiepolitischen Einfluss zurück.

So können Sie den Ausbau der Erneuerbaren Energien bei Ihnen mit den Netzen vor Ort synchronisieren. Der Vorteil der Energiewende liegt schließlich in Ihrer dezentralen Struktur. Dort wo Energie benötigt wird, können wir die Erneuerbaren ausbauen. Nicht immer sind große Überlandleitungen notwendig. Und die Verteilnetze in Nordrhein-Westfalen sind überwiegend in einem sehr guten Zustand.

5. Den (Nah-)Verkehr erneuerbar gestalten

Nicht von ungefähr ist E-Mobilität das Thema der Stunde: 20 Prozent unserer gesamten CO2-Emissionen kommen durch den Verkehr zustande. Nutzen Sie also Ihre Chance, den Verkehr vor Ort zu elektrisieren und Lademöglichkeiten für Ökostrom zu schaffen. Nicht nur für den Individualverkehr, sondern auch für den ÖPNV.

In vielen Städten fahren einige Buslinien bereits heute elektrisch. In Monheim am Rhein gibt es sogar eine elektrisierte Busflotte, die auch noch autonom unterwegs ist. Natürlich mit Ökostrom. Das ist entscheidend, denn der reine Wechsel des Antriebs bringt uns nicht weiter. Wichtig ist, dass wir emissionsfrei fahren. Dafür sorgen die Erneuerbaren. Und ganz nebenbei bekommen wir auch noch mehr frische Luft in unsere Städte. Denn einen Auspuff haben Elektrogefährte gar nicht erst.

6. Klimaschutzziele verankern

Klimaschädliche Treibhausgase einzusparen muss zur Kernaufgabe der Kommunalpolitik werden. Mit Klimaschutzkonzepten und –gutachten lassen sich Ziele und Maßnahmen ableiten, wie Klimaschutz-ziele wirksam in der Kommune verankert werden können. Zum einen betrifft der Klimaschutz alle Sektoren und Fachbereiche der kommunalen Verwaltung. Zum anderen ist es eine Gemeinschaftsaufgabe, bei der alle ihren Beitrag leisten können. Die eigene Heimat kennen die meisten sehr gut. Nutzen Sie dieses Wissen der Bürgerinnen und Bürger. Vielleicht veranstalten Sie einen Energiewende-Ideenwettbewerb: Entwickeln Sie gemeinsam mit den Menschen vor Ort Ihre Klima-Kommune und bewirken Sie so spürbare Veränderungen.

7. Begeisterung entfachen

Kommunale Projekte sind immer dann besonders erfolgreich, wenn die Menschen vor Ort dahinterstehen. Dafür ist Kommunikation wichtig und mal mehr, mal weniger Überzeugungskraft gefragt. Denn nicht immer liegen alle Vorteile direkt auf der Hand. Klimaschutz scheint abstrakt und fern? Bei diesem komplexen Thema ist das verständlich. Aber es wird ganz konkret, wenn der örtliche Kindergarten renoviert werden kann, weil der Solarpark vor der Stadt nicht nur mit Ökostrom das Klima schützt, sondern auch für ein Plus im städtischen Haushalt sorgt. Hier sind Sie gefragt, die Vorteile der Energiewende gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern zu entdecken und für Ihre Kommune zu nutzen. Dabei stehen wir gerne mit Rat und Tat zur Seite.

Ansprechpartnerin

Nina Herff

Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

+49 211 93676058
nina.herff@lee-nrw.de

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag

Zugeordnete Downloads

Checkliste für Klimaschutz und Energiewende in kommunaler Hand

553 KB