Der Bundesrat entscheidet diese Woche über Änderungen der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Kennzeichnung von Luftfahrthindernissen (AVV). Damit soll in Zukunft auch die akzeptanzstärkende Transpondertechnik zum Einsatz kommen dürfen.

+++ UPDATE vom 14.02.2020 +++

Windräder werden nachts bald weniger blinken. Ein entsprechender Gesetzentwurf der Bundesregierung auf Initiative der Windbranche wurde am 14.02.2020 vom Bundesrat angenommen. Damit ist der Weg frei für technische Systeme, die das nächtliche Blinken von Windrädern um bis zu 98 Prozent verringern.

BNK sichert Akzeptanz durch 98% weniger Beleuchtungszeit

Wer bei Nacht durch die Landschaft fährt, erkennt es selbst bei völliger Dunkelheit bereits von weitem: das rhythmische Leuchten eines Windparks in der Ferne. Für Vorbeifahrende ein beeindruckendes Schauspiel – für Anwohner oft genug ein Grund zum Unmut.
Während ein Windrad am Tag schon aus der Ferne gut zu erkennen ist, zeigen in der Nacht häufig nur noch die rot leuchtenden Lichter des Turms an, wo eine Anlage steht. Grund dafür ist die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Kennzeichnung von Luftfahrthindernissen (AVV): Ab einer Höhe von 100 Metern müssen Windenergieanlagen mit einer Befeuerung ausgestattet sein, die Luftfahrzeugen anzeigt, wo in der Nacht Kollisionsgefahr droht. Für die Sicherheit des Luftraums ist die Nachtkennzeichnung also unverzichtbar.

Die durchgängige Beleuchtung stößt bei Anwohnern jedoch häufig auf Ablehnung. Das „Dauerblinken“ empfinden sie mitunter als störend – was wiederum vor Ort negative Auswirkungen auf die Akzeptanz der Windenergie haben kann. Um die Anlagen besser an die Bedürfnisse der Menschen anzupassen, hat sich die Branche um eine technische Weiterentwicklung bemüht: In Zukunft soll die **bedarfsgesteuerte Nachtkennzeichnung (BNK) **dafür sorgen, dass eine Befeuerung sich nur dann einschaltet, wenn tatsächlich auch ein Flugobjekt in der Nähe ist.

Für die Anwohner bedeutet das: 98% weniger Beleuchtungszeit; und damit auch bessere Chancen für die Betreiber, die Akzeptanz vor Ort zu sichern. Für die zeitnahe Umsetzung dieser akzeptanzstärkenden Maßnahme hat der LEE NRW sich in den vergangenen Jahren immer wieder stark gemacht.

Technologieoffenheit bei der Systemauswahl notwendig

Mit welcher Systemart die Anlagenbetreiber der neuen EEG-Vorgabe zur BNK gerecht werden, ist technologieoffen gehalten. Von technischer Seite aus stehen prinzipiell zwei verschiedene Optionen zur Verfügung: Die Radar- oder Transpondertechnik. Wie genau diese Systeme funktionieren, haben wir hier schon einmal beschrieben.Um den Betreibern auch die Transponderlösung rechtssicher zu ermöglichen, muss jedoch in einem ersten Schritt zunächst die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Kennzeichnung von Luftfahrthindernissen (AVV) überarbeitet werden. Denn erst wenn in dieser Vorschrift auch explizit Transponder als mögliche Technik erfasst werden, können die Betreiber die Systeme in ihren Anlagen verbauen.

Diese Novellierung steht weit oben auf der politischen Tagesordnung und wird am 14. Februar 2020 zur Abstimmung im Bundesrat gestellt.

Transponder als besonders kostengünstige und akzeptanzstarke Lösung

Für Betreiber von Windenergieanlagen ist diese technologische Öffnung ein wichtiger Schritt, denn Transpondersysteme bieten gegenüber der Radarlösung einige wichtige Vorteile. Transponder zeichnen sich beispielsweise durch niedrige Anschaffungs- und Betriebskosten aus.
Darüber hinaus profitieren auch Anwohner und Umwelt stärker von den Transpondern, da hier – im Gegensatz zu Radarsystemen – keine Emissionen durch elektromagnetische Strahlung entstehen. Aus demselben Grund entfällt auch die bislang notwendige Frequenzgenehmigung durch die Bundesnetzagentur – was wiederum eine schnellere Implementierung des Systems ermöglicht.

Fristen zur Umsetzung – auf Drängen hin – verlängert

Die möglichst schnelle Ausstattung aller betroffenen Neu- und Bestandsanlagen ist ein wichtiger Faktor. Ursprünglich hatte der Gesetzgeber nämlich eine Umsetzungsfrist bis zum 1. Juli 2020 vorgegeben. Für die Bestückung aller betroffenen Windräder wäre nicht besonders viel Zeit geblieben. Insbesondere wenn man bedenkt, dass aufgrund der fehlenden rechtlichen Grundlage die Transponderlösung bisher noch in den Startlöchern steckt und darauf wartet, endlich an den Markt gehen zu dürfen.
Auch auf Drängen des LEE NRW wurde die Ausstattungsfrist nun auf den 30. Juni 2021 verschoben. Damit erhalten die Betreiber die Chance, frei zwischen Radar- und Transponderlösung zu wählen.

Kosten sparen durch kluge Zusammenarbeit

Sobald die Novellierung der AVV beschlossen ist, kann also jeder Windradbetreiber entscheiden, auf welches System er setzen möchte. Um die relativ kurze Ausstattungsfrist einzuhalten, ist jedoch Eile geboten. An dieser Stelle macht sich der Vorteil der Transponderlösung deutlich bemerkbar: Anders als bei Primärradaranlagen sind für Transponder keine aufwendigen Neubauten nötig. Und durch das Wegfallen der Frequenzvergabeprozesse ist der schnellstmögliche flächendeckende Einsatz möglich.

Zudem lassen sich – durch kluge Zusammenarbeit zwischen den Betreibern – weitere Kosten einsparen; sofern möglichst viele Betreiber gemeinsam auf die Transponderlösung setzen. Denn durch vorausschauende Planung und detaillierte Abstimmung unter den Beteiligten, muss nicht zwingend jeder Betreiber jedes einzelne seiner Windräder mit der neuen Technik ausstatten. Eine Transponder-BNK-Lösung ermöglicht es, mehrere Windenergieanlagen, die sich innerhalb eines bestimmten Radius um einen Empfänger befinden, zu erfassen und zentral zu steuern.

Es reicht also, nur einen Teil der ca. 2.400 ausstattungspflichtigen Anlagen mit Transpondern zu bestücken, um dennoch flächendeckend die bedarfsgesteuerte Nachtkennzeichnung zu gewährleisten. Vorausgesetzt natürlich, die entsprechenden Cluster rund um die Radien sind klug gewählt und die Umsetzung gut gesteuert.

Das BNK-Transponder-Projekt für NRW: So funktioniert‘s

Der LEE NRW hat ein Konzept ausgearbeitet, mit dem so kosten- und zeiteffizient wie möglich alle betroffenen Windenergieanlagen in NRW BNK-pflichtgerecht ausgestattet werden können.

Das Transponder-BNK-Projekt setzt dabei auf die intelligente Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen den Anlagenbetreibern: Indem ein einzelner Transponder für gleich mehrere Windenergieanlagen in seinem Radius eingesetzt wird, lässt sich die Stückzahl der benötigten Transponder um mehr als ein Drittel reduzieren.
Bei ca. 2.400 ausstattungspflichtigen Anlagen wären zur Umsetzung des Konzepts schätzungsweise so gerade einmal 200 Empfänger notwendig. Ohne eine intelligente Zusammenarbeit müssten weit über 300 Empfänger verbaut werden – zu den entsprechend höheren volkswirtschaftlichen und individuellen Kosten.
Wird die Transponder-Lösung in einem Verbund und klug vernetzt umgesetzt, reduzieren sich die Kosten auch auf den individuellen Betreiber gerechnet drastisch.

Rollout-Pläne für NRW

Um die Transponder-BNK-Lösung möglichst zeitnah und kostengünstig in die Fläche zu bringen, plant der LEE NRW zurzeit die Gründung einer von Windenergieanlagenbetreiber gesteuerten Gesellschaft, in die jeder Anlagenbetreiber einsteigen kann. In erster Linie geht es dabei um die Koordinierung der bestmöglichen Transponder-Verteilung und die Begleitung der Umsetzung. Eine Beispielrechnung zeigt: Pro Windenergieanlage reduzieren sich die Ausstattungskosten im Idealfall damit um 40%.

Je mehr Betreiber sich beteiligen, desto größer sind also auch die Kostenersparnisse für jeden Einzelnen. Der Zusammenschluss in einer Gesellschaft ist damit eine Win-Win-Win-Situation: Mit Transpondern bauen Betreiber auf die per se günstigere Technik, ein gemeinsames Vorgehen senkt die individuellen Kosten der Betreiber zusätzlich und die Ausstattungsfrist bis zum 30. Juni 2021 kann in jedem Fall eingehalten werden.

Sie haben Interesse an mehr Informationen über das BNK-Transponder-Konzept des LEE NRW? Dann schreiben Sie gerne an Madeline.Bode@lee-nrw.de  

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