Noch immer geht der Ladeinfrastrukturausbau in NRW schleppend voran. Eine neue EU-Richtlinie soll nun den Ausbau in den EU-Mitgliedstaaten vorantreiben und auch das Land NRW plant ein eigenes Förderprogramm.

Noch immer geht der Ladeinfrastrukturausbau in NRW schleppend voran. Eine neue EU-Richtlinie soll nun den Ausbau in den EU-Mitgliedstaaten vorantreiben und auch das Land NRW plant ein eigenes Förderprogramm.

E-Mobilität in NRW

Das Land NRW hat sich, genau wie alle anderen Bundesländer, der Energiewende und der Emissionsreduktion verschrieben. Ein Großteil der nordrhein-westfälischen Großstädte hat zudem mit erhöhten Feinstaubwerten zu kämpfen. Es wird also höchste Zeit, Elektromobilität und entsprechende Ladesäuleninfrastruktur zu fördern.

Geplanter Ladesäulenausbau in NRW

Obwohl Nordrhein-Westfalen mit knapp 2.800 installierten Ladepunkten (bei 1502 Ladesäulen) auf Platz zwei der deutschen Bundesländer liegt – angeführt wird die Liste von Bayern – ist noch deutlich Luft nach oben. Denn im bevölkerungs- und verkehrsreichsten Bundesland ist der Bedarf an Ladepunkten noch höher als in anderen Bundesländern. Die Landeshauptstadt Düsseldorf führt mit 211 öffentlichen Ladepunkten die Städte in NRW an. Im Vergleich zu Hamburg, Berlin oder Stuttgart besteht jedoch noch großes Ausbaupotenzial.

Anzahl der Ladesäulen nach Bundesland

Mehr Ladesäulen für NRW

NRW plant daher nun den Ausbau öffentlicher Ladestationen. So soll Dortmund bis zum Jahr 2020 500 öffentliche Ladepunkte bekommen; gegenwärtig sind es 125. Köln möchte seine derzeit 170 Ladesäulen um 400 weitere aufstocken. Die Landesregierung NRW bietet dazu ein Förderprogramm an und bezuschusst den Bau öffentlich zugänglicher und nicht-öffentlich zugänglicher Ladesäulen. Allerdings wird angemahnt, dass eine bessere und schneller Verteilung der Fördergeldern notwendig ist, um den Ausbau von Ladesäulen zu ermöglichen.

Hamburg ist Spitzenreiter im Ladesäulenausbau

Hamburg ist NRW da bereits einige Schritte voraus. Dass der Stadtstaat im Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur so weit vorne liegt, hängt vor allem mit dem bereits 2014 im Senat beschlossenen Masterplan zur öffentlichen Ladeinfrastruktur und dessen konsequenter Umsetzung zusammen. Die Beschaffung sowie Bau, Betrieb und Wartung der Ladesäulen obliegt dem Verteilnetzbetreiber Stromnetz Hamburg, wird also von einem einzelnen Betrieb betreut. Das erleichtert die Planung und Koordination der Errichtung neuer Ladepunkte. Die Abrechnung der Ladevorgänge wird von anderen übernommen. Im Laufe des Jahres 2019 plant Stromnetz Hamburg 1.000 Ladepunkte in und um Hamburg zur Verfügung zu stellen.
Auch Bayern und Baden-Württemberg haben zusätzlich zum Förderprogramm des Bundes eigene Landesförderprogramme ausgeschrieben, um den Ausbau der Ladeinfrastruktur zu gewährleisten. In Bayern läuft dazu aktuell der vierte Förderaufruf, der Ladepunkte mit bis zu 3.000€ bezuschusst.

Novelle der EU-Richtlinie zum Ausbau von Ladesäulen

In Europa liegt das Nicht-EU-Land Norwegen sowohl beim Verkauf von Elektrofahrzeugen als auch beim Ausbau der entsprechenden Ladeinfrastruktur deutlich vor den Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Der Anteil an Elektrofahrzeugen beträgt in Norwegen gegenwärtig über 40%.
Um auch in der EU den Verkauf von E-Fahrzeugen anzukurbeln, hat die EU 2018 eine Änderung auf den Weg gebracht, welche die Richtlinien zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden und der Energieeffizienz neu regeln soll. Die neue Richtlinie sieht einen Ausbau von Ladesäulen sowohl in Wohngebäuden als auch in öffentlichen Anlagen vor. Die Änderungen sollen den Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur in den EU-Mitgliedstaaten erheblich steigern und somit Elektrofahrzeuge attraktiver machen.
Die Richtlinie legt unter anderem fest, dass Nichtwohngebäude mit mehr als zwanzig Fahrzeugstellplätzen, die entweder neu gebaut oder umfänglich renoviert werden, mindestens jeden fünften Stellplatz mit der Infrastruktur einer Ladestation ausstatten und mindestens einen Ladepunkt installieren müssen. Bei Wohngebäuden mit mehr als zehn Stellplätzen muss jeder Stellplatz mit einer Ladestelleninfrastruktur ausgestattet werden, wenn das Gebäude neu gebaut oder renoviert wird.
Die EU-Mitgliedstaaten werden zudem dazu verpflichtet, regulatorische Hindernisse für die Installation von Ladestationen abzubauen und diese somit zu vereinfachen. Eigentums- und Mietrecht sind davon allerdings ausgenommen.

Komplizierte Rechtslage für Ladesäulen in Deutschland

Eine Überführung der Richtlinie in deutsches Recht hat bis jetzt noch nicht stattgefunden. Zwar sollen im neuen Gebäude-Energie-Gesetz (GEG) mehrere der Vorgaben aus den überarbeiteten EU-Richtlinien übernommen werden, die Regelungen für den Ausbau der Ladeinfrastruktur in Gesetzesentwürfen bleiben bisher aber außen vor.
Damit bleibt vorerst die Ladesäulenverordnung aus dem Jahr 2016 (mit Änderungen im Jahre 2017) die aktuelle Regelung für den Bau und Betrieb von Ladesäulen in Deutschland. Diese definiert aber lediglich die Rahmenbedingungen für Ladesäulen. Mögliche Standorte für Ladesäulen werden dagegen durch das Elektromobilitätsgesetz (EmoG) definiert. Der eigentliche Ladevorgang wird indessen durch das Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) und das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) sowie diverse Eichvorschriften geregelt. Vorgaben zum verpflichtenden Ausbau von Ladesäuleninfrastruktur enthalten die Regelungen allerdings nicht.
Darüber hinaus wurde im März 2019 die Niederspannungsanschlussverordnung (NAV §19) überarbeitet. Der Paragraf sieht vor, dass Netzbetreiber zukünftig ein Genehmigungsrecht beim Bau von Ladesäuleninfrastruktur mit mehr als 12 kW haben. Der geplante Bau einer Ladestation muss dem Netzbetreiber auch bei geringer Leistung vorab mitgeteilt werden. Auch wenn das eigentliche Ziel dabei ist, einen sicheren Betrieb der Anlage zu gewährleisten und eine Überlastung des Netzes zu vermeiden, wird die NAV breit kritisiert. Denn der neue Paragraf verzögert den Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur in Deutschland durch zusätzliche aufwändige Genehmigungsverfahren. Sollte der Netzbetreiber keine Zustimmung erteilen, kann gegebenenfalls keine Anlage errichtet werden.
Dadurch steht die Verordnung in Widerspruch zum von der EU angestrebten Abbau der regulatorischen Hemmnisse für den Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur. Das Genehmigungsverfahren wird noch aufwendiger und könnte mögliche Investoren abschrecken.

Ladesäulenausbau in Deutschland

Dabei ist der Ausbau öffentlicher Ladesäulen in Deutschland notwendig, um die Elektromobilität zu fördern. Der ACEA (Europäischer Verband der Automobilindustrie) sieht die Verbreitung von Ladestationen als Indikator für die Marktchancen von Elektroautos. Betrachtet man die Vorgaben der EU-Kommission, die ein Verhältnis von 1:10 (Ladepunkte zu Autos mit Elektroantrieb) vorsieht, erfüllt Deutschland derzeit mit insgesamt 150.000 E-Fahrzeugen auf 16.100 öffentliche Ladepunkte (Stand: Januar 2019) diese Quote deutlich. Allerdings ist der Marktanteil an Elektroautos in Deutschland mit 2,0% (im Jahr 2018) vergleichsweise gering. So sind die Zahlen für den Ladesäulenausbau in Deutschland für den aktuellen Fahrzeugbestand sogar überdurchschnittlich hoch, allerdings hinkt Deutschland in den Zulassungszahlen für Elektroautos im EU-weiten Vergleich auch stark hinterher.
2018 wurden in Deutschland EU-weit zwar die meisten Elektrofahrzeuge verkauft, allerdings betrug der Marktanteil im Vergleich zu allen in Deutschland verkauften Fahrzeugen 2018 nur 2,0%. Damit liegt die Autonation hinter Frankreich (2,1%), Belgien (2,4%), Österreich und Großbritannien (jeweils 2,5%), Portugal (3,4%), Finnland (4,7%), den Niederlanden (6,7%) und Schweden (8%). Der beschleunigte Ausbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland, insbesondere auch außerhalb von Ballungszenten und Hauptverkehrswegen, könnte dem Abhilfe schaffen. Denn solange Autofahrer befürchten müssen, durch zu wenig Lademöglichkeiten in ihrer Mobilität eingeschränkt zu werden, wird dieses Denken den Kauf von Elektrofahrzeugen ausbremsen. Gleichzeitig stockt der Ladesäulenausbau vor allem auf dem Land, da nicht ausreichend Elektrofahrzeuge das Angebot nutzen und sich der Betrieb angesichts hoher Investitionskosten daher oft nicht rechnet.

Marktanteil der E-Fahrzeuge in der EU in %

Förderungen auf Bundesebene

Aus diesem Grund hat die Bundesregierung 2017 die Förderrichtlinie „Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge“ eingeführt, die durch die EU-Kommission beihilferechtlich genehmigt wurde und den Ausbau von Ladeeinrichtungen in Deutschland vorantreiben soll. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur stellt dabei 300 Mio. Euro an Fördergeldern für den Zeitraum 2017 bis 2020 bereit. Ziel ist es, bis zum Jahr 2020 mindestens 15.000 Ladestationen zu errichten.
Die Überführung der oben beschriebenen EU-Richtlinie in deutsches Recht könnte die Förderung öffentlicher und privater Ladeinfrastruktureinrichtungen unterstützen und helfen, den notwendigen Infrastrukturausbau für Elektrofahrzeuge voranzutreiben. Insbesondere der Ausbau in Privathäusern ist hierbei von Bedeutung. Denn über 80% der Ladevorgänge finden derzeit zu Hause statt. Privatpersonen bedürfen also einer Lademöglichkeit in ihrem Haus oder in der Nähe. Gerade für die Bewohner von Miethäusern stellt das häufig eine Herausforderung dar, da die Nachrüstung von Stellplätzen mit Ladeinfrastruktur in der Regel sehr aufwändig und mit vielen genehmigungspflichtigen Hürden versehen ist.

Was daraus folgt

Im deutschlandweiten Vergleich verfügt NRW nach Bayern über die höchste Anzahl von Ladesäulen und steht damit ganz gut dar. Angesichts des hohen Verkehrsaufkommens in dem Bundesland ist ein Ausbau der Infrastruktur dennoch unerlässlich. Das geplante neue Förderprogramm soll helfen, den Ausbau drastisch zu beschleunigen. Um den Umstieg auf Elektrofahrzeuge in Deutschland künftig attraktiver zu machen und mit anderen europäischen Ländern mitzuhalten, braucht es mehr Ladesäulen in NRW. Die von Bund und Ländern zur Verfügung gestellten Fördergelder zeigen bereits erste Wirkung und der Ladeinfrastrukturausbau schreitet voran. Um den Ausbau zu beschleunigen und damit deutliche Anreize für den Kauf von Elektroautos zu schaffen, ist aber auch der Abbau regulatorischer und bürokratischer Hemmnisse wichtig.
Eine rasche Umsetzung der EU-Richtlinie kann ebenfalls dazu beitragen und so helfen, die Energiewende voranzutreiben. Dies gilt umso mehr, wenn der Ladestrom aus Erneuerbaren Energien erzeugt stammt. Möglichkeiten dazu, etwa durch Photovoltaikanlagen auf den Dächern von Wohn- und Nicht-Wohngebäuden Strom aus Erneuerbaren Energien direkt in die Ladesäulen einzuspeisen, gibt es bereits.

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