Der LEE NRW begrüßt die Pläne von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, die geplante Kaufprämie für Elektroautos zum Teil aus einer Abgabe für den Kauf besonders umweltschädlicher Fahrzeuge zu finanzieren. „Es ist absolut richtig, dass im Sinne eines konsequenten Klimaschutzes die umweltschädlichsten Fahrzeuge für die Förderung innovativer und klimafreundlicher Technologien mit aufkommen müssen. Dennoch muss klar sein: Wirklich umweltfreundlich kann E-Mobilität künftig nur dann sein, wenn sie mit Erneuerbaren Energien betrieben wird“, sagte Jan Dobertin, Geschäftsführer des LEE NRW.

Kritik übt der LEE NRW jedoch an der geplanten Förderung der Ladeinfrastruktur. So hatte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt kürzlich bekannt gegeben, in den Bau von 15.000 neuen Ladesäulen in Deutschland investieren zu wollen. Obwohl der LEE NRW einen Ausbau der Infrastruktur ausdrücklich begrüßt, fordert der Verband, aus Umweltgesichtspunkten das Angebot von regenerativem Strom zur Förderbedingung zu machen. Zudem kritisiert der LEE NRW die viel zu hohen Kosten, mit denen das Bundesverkehrsministerium plant. So soll der Ausbau rund 300 Millionen Euro kosten, wobei das Verkehrsministerium für eine reguläre Ladesäule 10.000 Euro veranschlagt. „So begrüßenswert der Vorstoß ist, endlich in den Ausbau der Ladeinfrastruktur zu investieren: Ladesäulen, die auf dem aktuellen Stand der Technik sind, sind heutzutage bereits deutlich günstiger für etwa die Hälfte des Geldes erhältlich“, so Dobertin.

Die E-Mobilität in Deutschland befindet sich noch immer im Anfangsstadium. Ziel der Bundesregierung ist es, dass bis zum Jahr 2020 rund eine Million E-Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen fahren sollen. Anfang 2015 waren es laut Kraftfahrt-Bundesamt deutschlandweit etwa 19.000 batterieelektrische Fahrzeuge sowie 108.000 Hybride. Ein Grund für die geringe Nachfrage ist neben den verhältnismäßig hohen Kaufpreisen von E-Fahrzeugen die fehlende Ladeinfrastruktur und die damit verbundene „Reichweitenangst“ der Verbraucher. Bundesweit gibt es nur knapp 5.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte an 2.400 Standorten.

Auf Bundesebene wird zurzeit eine Kaufprämie diskutiert, die den Kauf eines E-Autos mit 5.000 Euro unterstützen und somit die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen ankurbeln soll. Die Finanzierung ist jedoch noch unklar. Laut Bundesumweltministerin Hendricks soll die Kaufprämie nicht komplett aus Steuermitteln finanziert, sondern der Kauf eines Autos mit einem CO2-Ausstoß von 95 Gramm je Kilometer mit einem einmaligen „Umweltbeitrag“ von 50 Euro versehen werden. Bei einem CO2-Ausstoß über 200 Gramm könnten laut Hendricks 1.000 Euro fällig werden. Alternativ sei eine Anhebung der Dieselsteuer denkbar.

Um die klimafreundliche Elektromobilität aus Erneuerbaren Energien zu fördern, hat der LEE NRW im Oktober des letzten Jahres die NRW-weite Aktion „LEE macht E-mobil“ gestartet. Hierbei installieren Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen Ladesäulen für Elektrofahrzeuge, die an der Anlage mit sauberem Strom aus Wind-, Solar- oder Bioenergie geladen werden können. „Klimaschutz funktioniert nur, wenn wir die Energiewende ganzheitlich denken. Insofern begrüßen wir, dass das Thema ‚Elektromobilität‘ nun auch bundesweit intensiv diskutiert wird. Eine Debatte um klimafreundliche Wärmeerzeugung muss nun jedoch folgen, denn neben dem Strom- und dem Verkehrssektor ist die Wärmeerzeugung aus Erneuerbaren Energien die dritte Säule einer erfolgreichen Energiewende“, so Dobertin. Dabei sieht der LEE NRW das jetzt bei der Kaufprämie für E-Fahrzeuge vorgeschlagene Finanzierungssystem, durch marginale Aufschläge auf fossile Technologien neue klimafreundliche Lösungen zu fördern, auch für den Wärmesektor als beispielgebend.