30. Tag der Erneuerbaren Energien erinnert an Katastrophe von Tschernobyl und mahnt zum beschleunigten Umstieg auf sichere, saubere und günstige Energienutzung durch regenerative Energieträger – Eindringlicher Appell an andere Staaten, endlich auch Weichen auf Atomausstieg zu stellen

Anlässlich des 30. Tages der Erneuerbaren Energien weist der LEE NRW auf den weiterhin hohen Ausbaubedarf Erneuerbarer Energien hin. Während die internationalen Investitionen in klimafreundliche Energieträger weltweit von Rekord zu Rekord eilen, gehen sie in Deutschland derzeit massiv zurück. Der Kapitaleinsatz in Erneuerbare Energien ist 2015 global um fünf Prozent auf nun 268 Milliarden Dollar gestiegen. Damit ist erstmalig mehr Geld in Erneuerbare Energien als in fossile Energieträger geflossen. Gleichzeitig haben die Schwellen- und Entwicklungsländer mit einem Zuwachs von 19 Prozent bei Solar-, Windkraft- oder Biogasanlagen erstmals die Industrienationen überholt. Diesem Aufschwung steht ein deutlicher Investitionsrückgang in Deutschland gegenüber. Fast 50 Prozent hat Deutschland im vergangenen Jahr weniger in Erneuerbare Energien investiert als im Jahr zuvor; das ist das geringste Investitionsvolumen seit 12 Jahren.

„Der Rückgang der Investitionen in Erneuerbare Energien in Deutschland zeigt drastisch die Fehlentwicklungen in der Energiepolitik auf. Statt dem eigenen Anspruch als Energiewendeland gerecht zu werden und stark in Erneuerbare Energien zu investieren, gefährdet Deutschland zukunftsweisende Arbeitsplätze und die selbstauferlegten Klimaziele“, kritisierte Jan Dobertin, Geschäftsführer des LEE NRW. Besonders der geplante Umstieg der Förderung Erneuerbarer Energien, von der Einspeisevergütung zu Ausschreibeverfahren mit begrenzten Ausbaukontingenten und Ausbaudeckeln, verhindere den nötigen schnelleren Ausbau regenerativer Energien in Deutschland, so Dobertin weiter. Der aktuelle Entwurf zur Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) schrecke gerade kleine mittelständische Investoren und Bürgerenergieakteure ab, die bisher maßgeblich die Energiewende vorangetrieben und damit zugleich eine hohe gesellschaftliche Verankerung dieses Prozesses gewährleistet haben.

Dabei haben sich die alternativen Energieträger ökonomisch längst bewährt. 2015 hat die Windenergie an Land als kostengünstigste Stromquelle die Kohle abgelöst. Während laut Bloomberg New Energy Finance (BNEF) die Produktionskosten pro Megawattstunde bei der Kohleverstromung bei über 100 Dollar liegen, hat sich die Windkraft mit etwa 80 Dollar zum konkurrenzlos günstigen Energieträger entwickelt; dies entspricht umgerechnet etwa 7,5 Cent pro Kilowattstunde. Neben der günstigen Entwicklung für die Windenergie, sinken auch die Preise für die Solarenergie – dem zweiten Hauptlastträger der Energiewende – kontinuierlich. Seit 2000 lässt sich bei der Energiegewinnung aus Sonnenlicht eine rund 80-prozentige Kostendegression beobachten. Aktuellen Prognosen zufolge, verringern sich die Erzeugungskosten für Solarstrom aus Photovoltaikanlagen bis 2025 auf vier bis sechs Cent pro Kilowattstunde. Die Photovoltaik könnte damit zur günstigsten Stromerzeugungsquelle überhaupt werden.

Demgegenüber stehen derzeitige Kosten für die Atomenergie von über zehn Cent pro Kilowattstunde zuzüglich nicht berechenbarer Folgekosten. Für die in Großbritannien geplante Erweiterung des Atomkraftwerks Hinkley Point werden Stromgestehungskosten von weit über 30 Cent pro Kilowattstunde erwartet. Sogenannte Ewigkeitskosten, für die Entsorgung und Endlagerung radioaktiver Abfälle, sind hier noch gar nicht eingerechnet. Dazu kommen die unberechenbaren Folgen von Katastrophen wie in Tschernobyl und Fukushima. „Neben den großen Gefahren atomarer Unfälle, sprechen auch die reinen Zahlen gegen die Nutzung der Kernenergie. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Kette von Störfällen in belgischen und französischen Atomkraftwerken, sollten auch andere Staaten endlich die Weichen für den Atomausstieg stellen und die ältesten und störanfälligsten Meiler sofort vom Netz nehmen“, mahnte Dobertin.

Die Investitionen in Erneuerbare Energien in Deutschland müssten hingegen dringend wieder anziehen. Für Investitionszurückhaltungen bei den Erneuerbaren Energien gäbe es jedenfalls keinen Grund. Auch wenn im Strombereich bereits mehr als ein Drittel des Stroms aus Erneuerbaren Energien stammt, sehe es im Wärme- und Mobilitätsbereich noch düster aus. Insgesamt stammen immer noch mehr als 85 Prozent der in Deutschland verbrauchten Energie aus fossilen Quellen. „Wenn man die Energiewende mit einem Marathon vergleicht, haben wir gerade erst die 5-Kilometer-Marke passiert. Statt jetzt schon wieder in ein gemächliches Gehen zu verfallen, braucht es ein konstant hohes Tempo, damit Deutschland und auch NRW die selbst gesteckten Klimaziele erreichen und sich weiter von Brennstoffimporten unabhängig machen können“, sagte Jan Dobertin.