Doch in den vergangenen 20 Jahren sind die energiepolitischen Rahmenbedingungen komplexer geworden, die Anforderungen an den Ausbau Erneuerbarer Energien stetig gestiegen.

Deswegen setzen wir uns tagtäglich dafür ein, Prozesse zu vereinfachen und Rahmenbedingungen zu verbessern, um den Ausbau Erneuerbarer Energien zu beschleunigen – lokal, regional und bundesweit. Erfahren Sie hier, was unsere aktuellen Kernforderungen an die Politik sind.

Zukunftsenergien für NRW

Erneuerbare-Energien-Land Nr. 1 werden, emissionsarme Mobilität ausbauen & grünen Wasserstoff beflüg

Nordrhein-Westfalen muss den Strukturwandel vom ehemaligen Kohleland zum Erneuerbare-Energien-Land Nr. 1 mit Engagement und Nachdruck vorantreiben. Die guten Ansätze der emissionsarmen Mobilität auf Erneuerbaren-Basis müssen ausgebaut und weiter gefördert werden. Um den Wandel der Industrie zu unterstützen und Kapazitäten für grünen Wasserstoff möglichst dezentral bereitstellen zu können müssen die Erneuerbare-Energien-Kapazitäten massiv ausgebaut werden. Die Verdopplung der installierten Leistung bis 2030 ist ein erstes Zwischenziel. Bis dahin müssen wir in NRW jährlich mindestens 700 Megawatt Windenergie und 900 Megawattpeak Photovoltaik netto ausbauen. Damit schaffen wir eine klimafreundliche Zukunft für unser prosperierendes Land.

Rechtssichere Flächenplanung unterstützen, BürgerInnen an regionaler Wertschöpfung beteiligen & Wind

Die Kommunen im Land müssen bei der rechtssicheren Flächenausweisung unterstützt werden, um den Ausbau der Windenergie in NRW voranzutreiben. Der Landesentwicklungsplan hat mit seinem rechtlich nicht haltbaren 1.500 Meter-Vorsorgeabstand für massive Verunsicherung bei Anwohnern, Projektierern und planenden Kommunen gesorgt. Wir fordern die Landesregierung daher auf, sofern sie von der Länderöffnungsklausel Gebrauch machen möchte, diese rechtssicher mit maximal 1.000 Metern zu allgemeinen und reinen Wohngebieten umzusetzen.

Um wirklich Akzeptanz vor Ort zu stärken, sollte die Bevölkerung direkt von den Vorteilen der Windenergie profitieren – etwa durch regionale Vermarktungsoptionen für benachbarte Letztverbraucher, die Direktbelieferung von Unternehmen oder vergünstigten Anwohnerstrom.

Damit genügend Flächen für den weiteren Ausbau zur Verfügung stehen, sollte die Landesregierung darüber hinaus Kommunen bei der Ausweisung von Waldschadensflächen unterstützen und die Windenergie in monokulturell bewirtschafteten Forsten ermöglichen.

Freiflächen-PV ausbauen & Denkmalschutz mit Klimaschutz verzahnen

Das Land NRW muss mit gutem Beispiel vorangehen und alle landeseigenen Gebäude mit Photovoltaik ausrüsten. Hier wurde ein Anfang gemacht und 80 der 4000 Liegenschaften sollen ausgestattet werden. Bestandsbauten, auch denkmalgeschützte, müssen ebenfalls unkompliziert mit PV ausgerüstet werden können: Dafür müssen Klimaschutz und Erneuerbare Energien im Denkmalschutzgesetz konsequent berücksichtigt werden. Neben den Dachflächen sollten auch die großen Potenziale der Freiflächen-PV ausgenutzt werden: insbesondere an Fernstraßen, Schienenwegen, Halden, Deponien und ungenutzten befestigten Flächen. Aber auch auf Acker- und Grünland in benachteiligten Gebieten sollte PV genutzt werden – vielversprechend ist auch die innovative Agro-PV.

Vereinfachung von Genehmigungsverfahren & Umsetzung der gewässerökologischen Anforderungen mit Augen

Bei der Wasserkraft müssen Genehmigungsverfahren vereinfacht, dereguliert und optimiert werden, damit weitere Potenziale zügig erschlossen werden können. Bestandsanlagen sollten unkompliziert und gewässerverträglich modernisiert werden können. Hohe ökologische Auflagen setzen die Betreiber vieler Wasserkraftanlagen unter wirtschaftlichen Druck. Um die Wirtschaftlichkeit der Wasserkraft zu erhalten, müssen daher Durchgängigkeit und Fischschutz mit Augenmaß umgesetzt werden.

Leitszenario ausschöpfen, Ausbaugrenzen abschaffen & Nahwärmekonzepte fördern

Der Ausbau neuer Bioenergie-Anlagen und die Erweiterung von Bestandsanlagen müssen durch eine Änderung des Landesentwicklungsplans NRW gefördert werden. So kann das Leitszenario der Landesregierung erfüllt werden, die jährlichen Potenziale von 3 TWh Strom und 9 TWh Wärme durch Bioenergie auszuschöpfen. Zusätzlich können effektiv Treibhausgase aus der Landwirtschaft reduziert werden, wenn bürokratischer Aufwand zur Vergärung von Gülle in Biogasanlagen auf ein Minimum reduziert wird.

(Erd-)Wärmenetze ausbauen, NRW-Pilotprojekte starten & Beratung verbessern

Die Nah- und Fernwärmenetze Nordrhein-Westfalens müssen ausgebaut und die Einspeisung erneuerbarer Erdwärme gestärkt werden. Verbunden mit einer verbesserten Beratung durch obligatorische Weiterbildungen für Heizungsinstallateure im Bereich erneuerbarer Wärme kann das riesige Potenzial im Gebäudesektor gehoben werden. Zusätzlich sollte das Land zur Erforschung und Weiterentwicklung der Tiefengeothermie Pilotprojekte in Nordrhein-Westfalen unterstützen,

Energiewende im Bund voranbringen

65%-Ziel gesetzlich verankern, Ausbaupfade erhöhen & Eigenverbrauch erleichtern

Wir fordern von der Bundesregierung ein verlässliches Zeit-Mengen-Gerüst für den Ausbau der Erneuerbaren Energien, um die politische Absichtserklärung der Bundesregierung gesetzlich im EEG zu verankern: Bis 2030 soll der Anteil regenerativer Energien am Stromverbrauch 65 Prozent betragen – bei einem prognostizierten Bruttostromverbrauch von rund 750 Terrawattstunden. Dafür und um die Klimaziele zu erreichen, muss die Ausbaumenge der Erneuerbaren entsprechend erhöht werden: Bundesweit müssen jährlich mindestens 4.300 Megawatt Windenergie und 5.000 Megawatt Solarenergie neu installiert werden. Bis 2030 müssen 8,4 Gigawatt installierte Brutto-Leistung aus Biomasseanlagen garantiert sein. Auch die Rahmenbedingungen für Wasserkraft und Geothermie müssen angepasst werden, damit sie ihren Beitrag zum 65-Prozent-Ziel leisten können. Damit mehr Menschen und Unternehmen vom klimafreundlichen Ökostrom profitieren können, muss die Bundesregierung den Eigenverbrauch von erzeugtem Erneuerbaren-Strom erleichtern: Prosumer der Energiewende müssen gestärkt werden! Dafür müssen Regelungen zum Eigenverbrauch vereinfacht und EU-Richtlinien in deutsches Recht übernommen werden.

Flächen bereitstellen, Weiterbetrieb/Repowering erleichtern & Wertschöpfung vor Ort stärken

Die Bundesländer sollten für einen bundesweit ausgewogenen Windausbau zur Ausweisung von 2 % der jeweiligen Landesfläche verpflichtet werden. Im Mix mit den weiteren Erneuerbaren, Speichern und synthetischen Gasen stünde so genügend Fläche zur Deckung des deutschen Energiebedarfs zur Verfügung. Ausgeförderte Anlagen müssen wirtschaftlich weiter betrieben werden und bereits genutzte Flächen einfacher repowered werden können: Viele kleine Altanlagen an akzeptierten und bewährten Standorten können so durch wenige leistungsstarke Neuanlagen ersetzt werden. Ergänzend sollte die Akzeptanz vor Ort durch finanzielle kommunale und regionale Beteiligung am Windenergieausbau gestärkt werden.

Atmenden Deckel abschaffen, Eigenverbrauch/Mieterstrom stärken & Post-EEG-Perspektive schaffen

Nach der Abschaffung des 52-GW-Deckels muss auch der sogenannte atmende Deckel zu den Akten gelegt werden. Die vor Jahren eingeführte zubauabhängige Degression der Einspeisevergütung gefährdet den PV-Zubau, wenn diese unter die Stromgestehungskosten fällt. Hingegen sind Erleichterungen für Mieterstrom und die Abschaffung der EEG-Umlage auf Eigenverbrauch geeignet, den PV-Ausbau weiter anzutreiben. Gerade der Mittelstand wartet darauf, die Ausrüstung von Gewerbedächern mit PV anzugehen. Darüber hinaus muss eine Perspektive für jene Anlagen gefunden werden, die seit bereits 20 Jahren am Netz sind: Nach dem Ende der EEG-Vergütung müssen eine Mindestvergütung – etwa orientiert am Börsenstrompreis – sowie die Abnahme des klimafreundlichen Solarstroms durch die Netzbetreiber garantiert werden. Zusätzlich sollte auch das Net Metering für PV-Anlagen in regionalen Feldversuchen ermöglicht werden.

Kleinwasserkraft groß machen & Degression streichen

Um die Vorteile der Wasserkraft zur Netzstabilisierung und stetigen Energieerzeugung bestmöglich auszuschöpfen, muss die EEG-Förderung korrigiert werden. Die Vergütung für kleine Anlagen muss an die Stromgestehungskosten angepasst werden, da sich die Kosten der Betreiber für die Gewässerökologie und den Fischschutz deutlich erhöht haben. Gleichzeitig muss die Degression der Förderung gestrichen werden, da die Wasserkrafttechnologie anders als Solar und Wind weitgehend ausgereift ist. Kostensenkungspotenziale, die eine Degression rechtfertigen sollen, sind nicht zu erwarten.

Ausschreibungsmengen anpassen & Flex-Deckel abschaffen

Für das Multitalent Bioenergie muss die Bundesregierung die Ausschreibungsmengen ab 2023 zu einem Stabilisierungspfad weiterentwickeln, damit die Ziele im Klimaschutzplan erreicht werden. Um die ausgeschriebenen Mengen auszureizen, müssen bei den Ausschreibungen die Gebotshöchstwerte über den Stromgestehungskosten liegen und die Realisierungsfristen verlängert werden. Ergänzend sollte der sogenannte Flex-Deckel abgeschafft werden, um vermehrt Anreize zur Flexibilisierung von Bestandsanlagen zu schaffen. Damit wird die Versorgungssicherheit auch in wind- oder sonnenschwachen Zeiträumen gestärkt.

Gesetzliche Verankerung beibehalten & Degression streichen

Für den Aufbau von geothermischen Anlagen zur Stromerzeugung ist eine gesetzliche Verankerung im EEG elementar: Eine angemessene und garantierte Vergütung ist Voraussetzung für die Kapitalversorgung von Projekten. Um Forschung und Entwicklung sowie die Projektierung von Geothermie-Anlagen zu unterstützen, sollte die Degression der Vergütung gestrichen oder an die installierte Leistung gekoppelt werden.

Aktuelle Forderungen und Vorschläge