In Ostwestfalen-Lippe ist eine neue Photovoltaik-Anlage ans Netz gegangen, die eine sonst unbrauchbare Fläche besonders effizient für die Energiewende ausnutzt.

Viel diskutiertes Thema der Energiewende sind die benötigten Flächen für Erneuerbare Energien. Während wie selbstverständlich ganze Landstriche zum Abbau von Kohle regelrecht verwüstet wurden, wird um Flächen für Windräder oder Solaranlagen bis ins letzte gesetzliche Detail gestritten. Wobei Streit hier eigentlich das falsche Wort ist. Denn Investoren und Betreiberinnen von Erneuerbare-Energien-Anlagen setzen schließlich die politisch und gesetzlich längst ausgehandelten Ziele der Energiewende um. Nur: In der Praxis ist das weitaus weniger einfach als gedacht und wer innovative Projekte anstößt, sieht sich schnell behördlichen Einwänden gegenüber.

In Ostwestfalen-Lippe hat sich erst kürzlich solch eine Geschichte zugetragen, die einen stutzig werden lässt. Hier hatte ein Unternehmen eine findige Idee, wie sich eine bereits erschlossene Fläche effizient und pragmatisch für den Klimaschutz nutzen lässt. Doch die zuständigen Genehmigungsbehörden sahen das anders.

Solarstrom für Windräder

Im konkreten Fall wollte die WestfalenWind GmbH, ein LEE NRW-Mitgliedsunternehmen, die Kranstellfläche eines Windrades für eine Photovoltaik-Anlagen nutzen. Das Unternehmen projektiert und betreibt hauptsächlich Windenergieanlagen. Und für deren Errichtung müssen geschotterte Kranstellflächen angelegt werden. Diese Flächen müssen auch nach Fertigstellung des Windrades erhalten bleiben, damit im Falle einer aufwändigeren Wartung ein Kran aufgestellt werden kann. Doch in der Regel wird kein Kran und damit auch die Fläche nicht benötigt. Warum nicht also die ansonsten ungenutzte und unbrauchbare Fläche sinnvoll nutzen, dachte sich Michael Obst, Geschäftsführer von WestfalenWind:

„Das ist eine klassische Win-Win-Situation! Wir nutzen eine ansonsten wertlose, versiegelte Fläche und die vorhandene technische Infrastruktur und gewinnen so kostengünstigen Betriebsstrom für unsere Windkraftanlagen“, so Obst zu der Projektidee.

Denn auch eine Windenergieanlage benötigt eine gewisse Menge Betriebsstrom, um etwa die Rotorblätter richtig auszurichten und für elektrische Aggregate. Die angedachte PV-Anlage könnte gleich zwei Windräder damit versorgen.

Eine Idee mit Potenzial

Das solare Potenzial der Idee aus OWL lässt sich gut für ganz Nordrhein-Westfalen hochrechnen. Selbst konservativ geschätzt, könnte jede achte Kranstellfläche sinnvoll und verschattungsfrei mit einer PV-Anlage ausgerüstet werden, die bis zu 100kW leistet. Bei bald 4.000 Windenergieanlagen in NRW kämen so schon 500 Kranstellflächen zusammen, was in Summe ordentliche 50 Megawatt Solarstrom bedeuten würde. Zum Vergleich: In ganz Nordrhein-Westfalen waren mit Stand Ende 2018 250 MW Freiflächen-PV-Anlagen am Netz.

Fortschritt unter erschwerten Bedingungen

Doch zurück zum Projekt: Die Idee war da, die Umsetzung geklärt, die Technik vorhanden. Nur mit dem Widerstand der örtlichen Behörden hatte man in OWL nicht gerechnet. Erst wurde der Bauantrag für eine Pilotanlage abgelehnt, da eine PV-Anlage im Außenbereich nicht zulässig sei.

Zwei Jahre später sah sich WestfalenWind dann sogar mit einem Bußgeldbescheid konfrontiert. Kurz zuvor hatte das Unternehmen ohne Bauantrag eine Kranflächen-PV-Anlagen in Betrieb genommen. Die juristische Beratung im Vorfeld hatte ergeben, dass ein Antrag nicht notwendig ist: Die Solaranlage auf der Kranstellfläche sei baurechtlich ebenso privilegiert, wie die Windenergieanlage. Die Behörden sahen das anders.

Hier schaltete sich der LEE NRW ein und trug die neue Idee an NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart und Bauministerin Ina Scharrenbach. Mit Erfolg: Die Idee wurde in beiden Ministerien für gut und konstruktiv befunden und soll explizit im Windenergieerlass-NRW aufgenommen werden.

Und die Anlage in OWL? Die wurde zehn Monate später genehmigt, ist jetzt im Juni 2020 an Netz gegangen und produziert fortan mit 100 kW Leistung etwa 85.000 Kilowattstunden klimafreundlichen Solarstrom.

Ansprechpartner

Mario Burda

Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

+49 211 93676064
mario.burda@lee-nrw.de

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