Der von der BNetzA genehmigte Szenariorahmen 2035 bleibt hinter den Anforderungen an ein Energiesystem auf Basis von 100 Prozent Erneuerbaren Energien zurück und schraubt Zahlen zum Erneuerbaren-Ausbau abermals herunter.

Der vergangenen Freitag (26. Juni) von der Bundesnetzagentur vorgelegte Szenariorahmen 2035 bleibt hinter den Erwartungen des Landesverbandes Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW) zurück. Der Plan für den weiteren Netzausbau in Deutschland orientiere sich zu wenig am Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2050. Das im Klimaschutzgesetz der Bundesregierung festgelegte Ziel setze eine Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien voraus, so Christian Mildenberger, Geschäftsführer des LEE NRW. Dafür benötigte Erneuerbare-Energien-Kapazitäten würden nicht ausreichend berücksichtigt.

Christian Mildenberger: „Wenn Deutschland bis 2050 keine Treibhausgase mehr ausstoßen soll, müssen wir bis dahin 100 Prozent Erneuerbare erreicht haben. Der Szenariorahmen greift hier zu kurz und berücksichtigt nicht ausreichend die notwendigen Konsequenzen aus dem Atom- und Kohleausstieg: Wir brauchen deutlich mehr Erneuerbare-Energien-Kapazitäten als die BNetzA annimmt.“

Bereits während der Öffentlichkeitsbeteiligung hatte der LEE NRW sich kritisch zu den zurückhaltend angesetzten Erneuerbare-Energien-Ausbauzahlen positioniert. Diese wurden nun erneut herabgesetzt, was weder vorhandenen Flächenpotenzialen entspreche noch netztechnisch oder energiepolitisch zu begründen sei.

Christian Mildenberger: „Die BNetzA berücksichtigt zwar den Kohleausstieg für 2035. Statt mehr Erneuerbare einzukalkulieren, wird jetzt aber mit mehr Gaskraftwerken gerechnet und flexible Bioenergie eingeschrumpft. Das geht eindeutig in die falsche Richtung.“

Die Bundesnetzagentur unterschätze auch den Strom-Mehrbedarf durch Digitalisierung, E-Mobilität und Wasserstoff-Produktion. Der LEE NRW geht wie der Bundesverband Erneuerbare Energien bereits für das Jahr 2030 von einem Stromverbrauch von gut 740 Terrawattstunden (TWh) aus, während die Bundesnetzagentur noch im Jahr 2035 mit fast 100 TWh weniger (656,9 TWh) kalkuliert. Darüber hinaus setze die Bundesbörde den zu erwartenden Anteil Erneuerbarer Energien zu gering an: „Obwohl die Bundesregierung bereits für 2030 einen Erneuerbaren-Anteil von 65 Prozent anstrebt, rechnet die BNetzA ein Jahrzehnt später nur mit einem Anteil von 77 Prozent. Das wird weder den nationalen noch den europäischen Klimaschutzzielen gerecht“, kritisiert Mildenberger.

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Szenariorahmen 2035 wenig ambitioniert

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Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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