Der Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW) begrüßt das Ziel der Regierungsfraktionen von SPD und Grünen, Nordrhein-Westfalen zu einem Leitmarkt für die Speichertechnologien und die sektorenübergreifende Kopplung bei der Energieversorgung zu entwickeln. Eine entsprechende Zielsetzung ist in einem Antrag beider Fraktionen zu Energiespeichern und Versorgungssicherheit festgehalten, der heute im Landtag NRW beraten wird. Zugleich macht der LEE NRW aber auch deutlich, dass zum Erreichen dieser Zielsetzung weitergehende Maßnahmen notwendig sind, als in den Forderungen des Antrags festgehalten:

„Nordrhein-Westfalen hat mit seiner Industrie- und Wirtschaftsstruktur, seiner Siedlungsdichte sowie seiner Forschungslandschaft ideale Voraussetzungen, sich zu einem Vorreiter in den Bereichen Sektorenkopplung, Lastmanagement und Speichertechnologien zu entwickeln. Dabei gilt es aber zu betonen, dass in vielen Fällen schon heute technische Lösungen für eine dezentrale Energieversorgung zur Verfügung stehen, die aufgrund falscher Rahmenbedingungen oder immer neuer Hürden nicht zum Einsatz kommen. Hier gilt es nun zeitnah Abhilfe zu schaffen, damit NRW seine Potentiale in diesen Zukunftsfeldern auch nutzen kann“ betont Jan Dobertin, Geschäftsführer vom LEE NRW.

Hinsichtlich der Sektorenkopplung behinderten beispielsweise steuer- und abgabenrechtliche Vorgaben derzeit eine verstärkte Verknüpfung von Strom, Wärme und Mobilität. So sei „Heizen mit Windstrom“ – unter der Einbeziehung von Wärmepumpen – gegenüber den klassischen Ölheizungen eigentlich schon heute konkurrenzfähig, werde aber aufgrund unterschiedlicher Formen der Besteuerung und Abgabenerhebung auf Heizstrom und fossile Brennstoffe benachteiligt. Um hier weiter voranzukommen, müssten Abgaben für im Wärme- und Mobilitätssektor genutzten Strom gesenkt, bzw. höhere Abgaben und Umlagen auf fossile Brennstoffe im Wärme- und Verkehrssektor durchgesetzt werden. Hierfür wären die Einführung einer CO2-Steuer und im Gegenzug die Abschaffung der Stromsteuer hilfreiche Schritte für mehr Chancengleichheit strombasierter Wärmesysteme.

Für ein verstärktes Lastmanagement und die stärkere Flexibilisierung des Strombedarfs in Industrie und Unternehmen müssten ebenfalls die Rahmenbedingungen im Strommarkt angepasst werden. So lieferten die aktuellen Börsenstrompreise für Unternehmen kein ausreichendes Signal, um Strombedarfe im Unternehmen auf andere Zeitpunkte zu verlagern. Hier sollte eine gesamtkostenneutrale Dynamisierung der Preisbestandteile im Strompreis (z.B. Netzentgelte oder EEG-Umlage) erfolgen, die bei hohen Börsenstrompreisen auch hohe Aufschläge und bei niedrigen Börsenpreisen niedrigere Aufschläge vorsehe. Damit könnten notwendige Anreize für Unternehmen entstehen, ihren hauptsächlichen Strombedarf in Zeiten mit niedrigen Preisen zu verschieben oder dahingehend zu flexibilisieren, wenn ein Überangebot an Strom besteht.

Bei der Speichertechnologie sei neben der im SPD- und Grünen-Antrag berücksichtigten doppelten Belastung durch die Letztverbraucherabgaben die EEG-Eigenstromumlage ein wesentliches Hemmnis für den Absatz von dezentralen Hausspeichern in Verbindung mit PV-Anlagen. Dabei zeige das Verhalten der Kunden, dass gerade solche Speicherlösungen bei der Umstellung der eigenen Versorgung gefragt seien. Im Sinne einer breiten Teilhabe an der Energiewende sollte die Nutzung solcher dezentralen Systeme daher nicht weiterhin durch Belastungen unattraktiv gemacht werden. Die Belastung selbstgenutzten Stroms mit der Eigenstromumlage, die bereits mit dem EEG 2014 eingeführt wurde, muss daher wieder abgeschafft werden.

Abschließend macht der LEE NRW deutlich, dass Sektorenkopplung, Lastmanagement und Energiespeicherung zweifelsohne entscheidende Erfolgsbedingungen der Energiewende darstellen, denen NRW sich aufgrund seiner guten Ausgangsvoraussetzungen verstärkt zuwenden muss. Zugleich dürfe aber mit dem Ausbau Erneuerbarer Energien nicht die notwendige Basis der Energiewende vergessen werden. Hier müsse NRW in den nächsten Jahren in den Bereichen Windenergie und Photovoltaik deutlich zulegen, um die landeseigenen Ausbauziele zu erreichen. Einen kleinen und zugleich vorbildlichen Beitrag dazu könne auch die Nutzung von Solarenergieanlagen auf landeseigenen Gebäuden leisten, zu der gestern die Landesregierung ebenfalls durch einen Antrag der Regierungsfraktionen aufgefordert wurde. Auch dieser Schritt wird vom LEE NRW ausdrücklich begrüßt.