Zwischenergebnisse einer aktuellen Studie zeigen, dass Frauen in Bürgerenergiegesellschaften deutlich unterrepräsentiert sind. Nur jede:r dritte Anteilseigner:in ist eine Frau. Wie sich gesellschaftliche Vielfalt in der Energiewende zukünftig besser abbilden lässt, ist heute Schwerpunkt eines internationalen Symposiums.

Zwischenergebnisse einer Studie zu Bürgerenergiegesellschaften in NRW und der Präfektur Fukushima (Japan) zeigen, dass Frauen als Anteilseignerinnen hier in der Minderheit sind. Nur eine:r von drei Anteilseigner:innen ist eine Frau. Auch Menschen mit Zuwanderungsgeschichte sowie Personen mit geringem Einkommen sind in Bürgerenergiegesellschaften bisher unterrepräsentiert. Besonders häufig vertreten sind hingegen ältere Männer mit höherem Bildungsgrad, die sich im Ruhestand befinden.

Während in Deutschland der Frauenanteil in Bürgerenergiegesellschaften insgesamt bei unter einem Drittel liegt (29 Prozent), liegt er bei der Hälfte der japanischen Gesellschaften sogar bei unter 10 Prozent. Sowohl in Deutschland als auch in Japan zeigt sich, dass in größeren Bürgerenergiegesellschaften tendenziell mehr Frauen vertreten sind. Für Deutschland lässt sich zudem feststellen, dass der Frauenanteil bei Gesellschaften mit Solarenergie-Projekten im Schnitt höher ist als bei reinen Windenergie-Projekten.

Auch im Bereich des Managements der Gesellschaften sind Frauen unterdurchschnittlich häufig vertreten: Während die Vorstände deutscher Bürgerenergiegesellschaften zu 35 Prozent aus Frauen bestehen, findet sich im Management fast der Hälfte der japanischen Bürgerenergiegesellschaften keine einzige Frau.

Als Motivation, sich in einer Bürgerenergiegesellschaft zu beteiligen, steht für die übergroße Mehrheit der Befragten in NRW (90 Prozent) der persönliche Beitrag zum Klimaschutz an erster Stelle. Finanzielle Motive spielen dagegen nur eine untergeordnete Rolle (43 Prozent).

Die Befragung der World Wind Energy Association (WWEA), die in Kooperation mit dem Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW) durchgeführt wurde, ergab darüber hinaus, dass nur ein kleiner Teil der Bürgerenergiegesellschaften in Deutschland und Japan bislang damit begonnen hat, aktiv die Beteiligung von Frauen zu fördern. Das ist jedoch eine wichtige Voraussetzung, um langfristig die akzeptanzstärkende Wirkung von Bürgerenergiegesellschaften zu gewährleisten.

Madeline Bode, Referentin für Energiewirtschaft und Politik beim LEE NRW: „Bürgerenergie ist ein wichtiger Faktor für die Akzeptanz der Energiewende. Damit die Projekte Erfolg haben, müssen sie aber auch aus der Mitte der Gesellschaft kommen und dabei alle Bürger:innen mitnehmen und abbilden. Das müssen sowohl die Bürgerenergiegesellschaften als auch die Politik anerkennen und stärker berücksichtigen.“

Stefan Gsänger, Generalsekretär der WWEA: „Die Bürgerenergie war von Beginn an die tragende Säule der Energiewende. Die nun vorliegenden Daten zeigen uns, wo die Bürgerenergie-Bewegung ansetzen kann, um noch breitere Teile der Bevölkerung zu mobilisieren: Vor allem Frauen, die ja in der Klimabewegung besonders involviert sind, sollten stärker aktiv einbezogen werden.”

Im Rahmen der Studie wurden mehr als 50 Bürgerenergiegesellschaften in Deutschland und Japan befragt. Die Zwischenergebnisse werden heute auf dem 5. Internationalen Bürgerwind- und Bürgerenergie Symposium mit dem Titel „Männer und Frauen in der Bürgerenergie – Vielfalt oder Einfalt“ präsentiert. Die vollständige Studie wird im Frühsommer 2021 veröffentlicht.

Ansprechpartnerin

Madeline Bode

Referentin für Energiewirtschaft und Politik

+49 211 93676069
madeline.bode@lee-nrw.de

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