Zahlreiche große Industrieunternehmen in NRW verlangen nach mehr Wind- und Solarstrom. Derweil hat die überwiegend aus kleinen und mittleren Unternehmen bestehende Windenergiebranche schwer zu kämpfen mit den schlechten Rahmenbedingungen hierzulande. Reiner Priggen: „Die Branche wird genötigt, ins Ausland abzuwandern. Selbst Konzernriesen wie RWE kehren Deutschland den Rücken.“

Im Land der Energiewende macht sich unter den Unternehmen der Branche große Ernüchterung breit. Besonders die Windbranche ist durch den politisch verursachten Markteinbruch der vergangenen Jahre schwer gebeutelt. Im Vergleich zum letzten soliden Jahr 2017 ist der Zubau in NRW im vergangenen Jahr um rund 80 Prozent eingebrochen. Der Trend setzte sich auch im ersten Halbjahr 2020 fort: In Nordrhein-Westfalen liegt der Ausbau mit 28 Anlagen bzw. 73 Megawatt, die tatsächlich neu ans Netz gegangen sind, zwar höher als im vorherigen Jahr, aber weit unter den politisch gesteckten Zielen der Landesregierung und noch weiter entfernt von dem, was aus Sicht der Branche für die Klimaziele notwendig wäre.

Dabei haben gerade erst zahlreiche energieintensive Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen in einem gemeinsamen Positionspapier des Bündnisses IN4climate.NRW einen beherzten Ausbau gefordert: Für den Umbau ihrer Produktion auf Erneuerbare Energien würde in Zukunft deutlich mehr Ökostrom benötigt. Den Bedarf hat auch der Energieriese RWE erkannt, aber schon deutlich gemacht, dass das Unternehmen derzeit keine Ambitionen auf Projekte in NRW habe. Das Marktumfeld sei zu schlecht. Dabei hat RWE kürzlich vom Hersteller Nordex Windenergie-Projekte in den EU-Ländern Frankreich, Spanien, Schweden und Polen im Umfang von 2,7 Gigawatt gekauft. Das entspricht über fünf Milliarden Euro Gesamtinvestitionen, die nicht in NRW investiert werden.

Für Reiner Priggen (Dipl.-Ing.), Vorsitzender beim Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW), ein Beispiel dafür, wie kommunalen, klimafreundlichen Investitionen ein Strich durch die Rechnung gemacht wird: „RWE ist ein Paradebeispiel dafür, was derzeit schiefläuft. Der Konzern will Milliarden in die Erneuerbaren Energien stecken, wohlgemerkt größtenteils kommunale Gelder aus NRW, und sieht in Deutschland keinen Markt dafür. Im Land der Energiewende. Das ist doch verrückt! Jetzt kann man sich vorstellen, was das für die überwiegend mittelständische Windbranche bedeutet. Lokal verwurzelte kleine Unternehmen, die fleißig ihre Gewerbesteuern zahlen, kämpfen um die Arbeitsplätze ihrer Angestellten. Die können nicht einfach auf dem Weltmarkt mitspielen. Der Heimatmarkt ist für die Branche von großer Bedeutung.“

In Nordrhein-Westfalen müsse sich dringend das politische Klima zugunsten der Erneuerbaren ändern, sagt Priggen und fordert weniger reden und mehr machen. Dabei sei für die Windbranche besonders wichtig, dass die ewige Diskussion um Mindestabstände in NRW endlich ein Ende findet.

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Mario Burda

Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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