Ohne neue Erneuerbare-Energien-Anlagen wird es nicht gelingen, die Treibhausgas-Emissionen zu senken. Um den Ausbau der Erneuerbaren Energien so naturverträglich wie nur möglich zu gestalten, setzt die Branche sich sachlich mit artenschutzfachlichen Themen auseinander.

Energiewende und Artenschutz im Einklang

Bereits vor dem Bau einer Erneuerbare-Energien-Anlage wird geprüft, ob unter Umständen besonders sensible Tierarten von der Anlage betroffen sein könnten. Um sie zu schützen und das Risiko zu minimieren, müssen etwa artspezifische Mindestabstände zu Brutplätzen eingehalten und oftmals umfangreiche Analysen der umliegenden Landschaftsstruktur durchgeführt werden. Somit soll sichergestellt werden, dass die Gefährdung von sensiblen Arten durch den Anlagenbau nicht deutlich zum Grundrisiko (bereits vorhandene Straßen, Stromleitungen usw.) zunimmt.

Artenschutz und Erneuerbare Energien

Trotz aller Vorsichtmaßnahmen und technischer Einrichtungen wird es sich nie vermeiden lassen, dass einzelne Tiere durch Energie-Anlagen zu Schaden kommen. Zu betrachten ist allerdings auch, dass alle Aktivitäten des Menschen Auswirkungen auf die Arten haben, mit weitaus schwerwiegenderen Folgen wie bspw. Flächenverbrauch, Intensivlandwirtschaft, Glasscheiben, Straßen- und Schienenverkehr. Auch Chemikalien in Wasser und Boden stellen insgesamt weitaus größere Gefahren für Tierarten dar als die Windenergie.

Die Erneuerbare-Energien-Branche unternimmt dank des zunehmenden Erkenntnisgewinns bereits jetzt viel, um die Verträglichkeit von Energiegewinnung und Artenschutz weiter zu verbessern. So sind moderne Fischtreppen beim Bau von Wasserkraftanlagen heute Standard. Auch werden verschiedenste Wild- und Blühpflanzen ausgesät, die Biodiversität auf dem Feld schaffen und damit als abwechslungsreiches Nahrungsangebot für biologische Vielfalt sorgen. Abschaltungen von Windenergieanlagen bei besonderen Witterungsbedingungen erzielen beim Fledermausschutz genau so hohe Wirkungen bei geringen Ertragsausfällen, wie Abschaltungen der Windanlagen bei Bodenbewirtschaftungen im Nahbereich die Greifvögel schützen.

Artenschutz und Windenergie

Durch die Windenergie konnten in Deutschland bereits weit über 60 Millionen Tonnen CO2 vermieden werden. Mit jedem neuen Bau einer modernen Windenergieanlage werden weitere 4500 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart. Für effektiven Klimaschutz – und damit auch den Artenschutz – ist die Windenergienutzung deshalb unverzichtbar.

Auch der lokale Artenschutz spielt eine große Rolle. Zum Beispiel müssen Betreiber vor dem Bau eines Windrads nachweisen, dass keine geschützten Vogel- oder Fledermausarten durch die Anlage gefährdet sind. Dazu werden selbst ungenutzte Vogelhorste berücksichtigt. Eine Schutzmaßnahme, die heutzutage immer berücksichtigt wird, ist eine unattraktive Gestaltung des Mastfußbereiches.

Auch vergrößert sich bei modernen Windenergieanlagen der Abstand zwischen Rotorunterkannte und Bodenoberfläche, sodass für eine Vielzahl an Arten keine Kollisionsgefährdung mehr anzunehmen ist. Die Flughöhen überschneiden sich nicht mehr mit der Höhe der Rotorblätter.

Durch die Schaffung von Ausgleichsflächen werden Lebensräume (Habitate) aufgewertet und gleichzeitig können durch angelegte neue Nahrungshabitate bestehende Flugrouten umgelenkt werden.

Die Schaffung neuer Habitate ist sowohl für lokale Teilpopulationen sinnvoll, kann jedoch auch für ganze Populationen von Arten von großer Bedeutung sein. Somit werden nicht nur punktuell wenige Individuen einer Art geschützt, denn mit Blick auf den Artenschutz ist der Schutz von Populationen viel sinnvoller, wenngleich das einzelne Individuum bei artenschutzfachlichen Untersuchungen derzeit im Vordergrund steht.

Artenschutz und Wasserkraft

Auch entlang der Flüsse und Bäche setzen sich Wasserkraftbetreiber seit langem konstruktiv mit den Auswirkungen der Wasserkraft auf das Ökosystem der Flüsse auseinander. Damit trägt die Wasserkraft aktiv zur Renaturierung der Flussläufe bei.

Fischtreppen oder naturnahe Umgehungsgewässer machen Staustufen für Fische durchgängig. Fischschutz- und Fischabstiegsanlagen bieten Fischen einen effektiven Schutz und die Möglichkeit der Abwärts-Passage. Mühlengräben bieten wertvolle Biotope für die Flussfauna und -flora und verbessern dadurch die Artenvielfalt.

Viele Staustufen können aus Gründen des Hochwasserschutzes, der Gewässerregulierung oder der Schiffbarmachung nicht entfernt werden. Wenn diese Wehre durch die Wasserkraft genutzt werden, kann einerseits klimafreundlicher Strom erzeugt und andererseits die Fischdurchgängigkeit hergestellt und somit die gewässerökologische Situation vor Ort verbessert werden. So gehen Klimaschutz und Naturschutz Hand in Hand.

Zusätzlich zu den technischen Einrichtungen zum Fischschutz und zur Fischwanderung bieten Mühlengräben, die in der Vergangenheit zum Betrieb von Wassermühlen und Wasserkraftwerken angelegt wurden, wertvolle Habitate für die Flussfauna, nicht nur in trockenen und frostigen Zeiten.

Neben Lebensräumen für Wasserinsekten sowie Wasser- und Uferpflanzen bieten sie für Fische, Schnecken oder Libellen vielfältige Unterstandsmöglichkeiten, Überwinterungsquartiere und Laichhabitate. Für Jungfische stellen naturnah ausgebauten Mühlengräben zudem wichtige Rückzugsgebiete dar und bieten Schutz vor Fressfeinden. Wasservögeln nutzen Gräben und Stauteiche als Rast-, Brut- und Nahrungsgebiete. Mühlengräben stellen damit Biotope in der heutigen Kulturlandschaft dar, die es ganz im Sinne des Artenschutzes zu erhalten gilt.

Artenschutz und Bioenergie

Auch die Bioenergie beschäftigt sich schon seit langem mit dem Artenschutz. Durch den Einsatz von mehrjährigen Pflanzen wie Wildblütenmischungen oder der durchwachsenen Silphie werden Energieerzeugung, Gewässerschutz und die Förderung von Artenvielfalt miteinander verknüpft.

Immer häufiger trifft man auf bunt blühende Wiesen, auf denen Pflanzen wachsen, die als Biomasse-Grundlage für die Erzeugung von Biogas dienen. Diese Blühwiesen machen nicht nur optisch und energetisch etwas her, sondern dienen auch als hochwertiger Lebensraum und Nahrungsquelle für eine Vielzahl von Insektenarten, Bodenbrütern und Niederwild.

Von der Pflanzenvielfalt profitiert der Artenschutz: Bienen, Schmetterlinge und Vögel finden hier das ganze Jahr über Nahrung und können sich so gut vermehren. Da die Pflanzen mehrjährig sind, bleibt der Boden zudem ganzjährig bedeckt. Dadurch verbessert sich die Bodenqualität insgesamt, denn es entsteht weniger Bodenerosion und Nährstoffe werden weniger ausgewaschen. Zusätzlich dienen die Pflanzenrückstände als Versteckmöglichkeiten für Tiere und Insekten.

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