Der Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW) widerspricht entschieden einzelnen Medienberichten, die die Rodung des Hambacher Forstes mit der Waldinanspruchnahme von Windrädern gleichsetzen: „Wer die Rodung des Hambacher Forstes mit Waldnutzung von Windrädern gleichsetzt, vergleicht Äpfel mit Birnen! Für alle 67 Wald-Windräder in NRW wurden bisher insgesamt 18,5 Hektar Nadel- und Wirtschaftswald umgewandelt, um fortan für 20 Jahre und mehr klimafreundlich Strom zu produzieren. Dagegen wurden im Hambacher Wald eine gesamte Fläche von 3.500 Hektar wertvollen Laubwaldes gerodet und die Landschaft darunter völlig zerstört, um klimaschädliche Braunkohle zu fördern!“, so Jan Dobertin, Geschäftsführer des LEE NRW.

Allein schon im Hinblick auf den tatsächlichen Flächenverbrauch sei ein Vergleich völlig unverhältnismäßig. So zeige eine Antwort der NRW-Landesregierung auf eine parlamentarische Anfrage von Anfang Juli dieses Jahres, dass für jedes in nordrhein-westfälischen Wäldern errichtete Windrad bisher durchschnittlich 0,28 Hektar Wald dauerhaft umgewandelt wurden. Bezogen auf die bisher im Hambacher Forst gerodeten Flächen könnten so noch mehr als 10.000 Windräder in nordrhein-westfälischen Wäldern gebaut werden. Hinzu komme, dass bei der Windenergie nach der gut 20 jährigen Betriebsdauer wieder eine Aufforstung an Ort und Stelle erfolge, während die Landfläche des Hambacher Waldes nach den gewaltigen Erdabtragungen dauerhaft verloren sei.

Auch hinsichtlich der Wertigkeit des Waldes sei ein Vergleich völlig abwegig. So sieht der Windenergieerlass in NRW in der Regel nur für Nadelwaldbestände und Waldschadensflächen die Möglichkeit, eine Waldumwandlungsgenehmigung für die Windenergienutzung zu erhalten. Dagegen sei dies regelmäßig für standortgerechte Laubwälder, Naturwaldzellen, Prozessschutzflächen oder historisch bedeutende Waldflächen ausgeschlossen. Genau zu diesen wertvollen Kategorien gehöre aber der Hambacher Wald: „Faktisch bedeutet dies, dass man in NRW in solchen Waldkulissen, wie dem Hambacher Forst, nie auch nur für ein Windrad eine Genehmigung erhalten würde.“, so Dobertin. Dabei sei auch anzumerken, dass für jedes Windprojekt die dauerhaft umgewandelte Nadelwaldfläche mit einer rund doppelt so großen Fläche an höherwertigen Laub-Misch-Beständen auszugleichen ist.

Letztlich ergäben sich aber auch hinsichtlich des Zwecks der Waldnutzung extreme Unterschiede. Während auf der einen Seite sehr wertvolle Laubbäume fielen, um mit dem klimaschädlichsten Energieträger Braunkohle Strom zu produzieren, würden auf der anderen Seite ohnehin erschlossene Wirtschaftswälder als Standorte zur klimafreundlichen Stromproduktion genutzt. Während die eine Nutzung spätestens mit den Klimazielen von Paris absehbar ein Auslaufmodell der Energieversorgung darstelle, handele es sich bei der anderen um eine zentrale Säule eines künftigen nachhaltigen Energiesystems.