Der diesjährige Windenergie-Ausbau in Nordrhein-Westfalen wird sich im Vergleich zum Vorjahr voraussichtlich halbieren. Das teilte der Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW) heute bei seinem jährlichen Branchentreff in Bad Driburg mit. Die Gründe für den Einbruch sind vielfältig, wie Klaus Schulze Langenhorst, stellvertretender Vorsitzender des LEE NRW, aufzählt: „Die Windenergie steht vor vielen Herausforderungen: Unsicherheiten bei Behörden in Genehmigungsverfahren, überzogene Forderungen im Artenschutz und Querschüsse unserer Landesregierung gegen die Windenergie sind nur einige Beispiele. Diese Punkte, samt vielfach daraus resultierender Klagen, verzögern die Projekte enorm und bremsen die Energiewende im Land nachhaltig aus.“

Die NRW-Landesregierung will mit allen Mitteln pauschale 1.500 Meter Mindestabstand zwischen Wohngebieten und Windenergieanlagen durchsetzen und keine Windenergie in forstwirtschaftlich genutzten Wäldern zulassen. Diese Maßnahmen von Schwarz-Gelb stoßen weiter auf heftigen Widerspruch der Windmüller, da der Windenergieausbau dadurch zu erliegen droht. Für Schulze Langenhorst ein schwerwiegender Fehler: „Höhere Abstände führen nicht zu mehr Akzeptanz, das ist auch wissenschaftlich klar belegt. Aufklären und Informieren sollte die Devise sein. Darüber hinaus müssen die Bürger mehr Mitspracherecht erhalten. Um die Akzeptanz zu stärken, sollten auch attraktive Strombezugsmodelle und eine kommunale Beteiligung an der Wertschöpfung der Windenergie geschaffen werden. Nicht zuletzt setzen wir uns dafür ein, mit technischen Lösungen für weniger blinkende Windräder in der Nacht zu sorgen. Aber statt die Branche zu unterstützen, steht die Landesregierung auch hier auf der Bremse.“

Auch Dipl. Ing. Reiner Priggen, Vorsitzender des LEE NRW und langjähriger Energieexperte, kritisiert: „Die Landesregierung muss die Energiewende endlich aktiv anpacken und voranbringen, statt sich mit Verboten und Einschränkungen zu beschäftigen. Stimmungsmache gegen die Windenergie sorgt sicher nicht für mehr Akzeptanz in der Bevölkerung.“

Der LEE NRW kritisiert besonders das fehlende politische Bekenntnis zur Energiewende, das sich auch in Maßnahmen für den Ausbau niederschlägt. Angesichts der Vorgabe der Bundesregierung, bis 2030 den Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch auf 65% erhöhen, sei die Verhinderungspolitik der Landesregierung fehl am Platz.

 

Hintergrund

Zum siebten Mal in Folge dreht sich in Bad Driburg alles um die Frage, wie es mit der Windenergie in Nordrhein-Westfalen weitergeht. Mit rund 400 Teilnehmenden ist die Veranstaltung der zentrale Branchentreff in NRW mit Fachprogramm und Messe für Projektierer, Betreiber und Hersteller von Windenergieanlagen. Auf dem Programm stehen in diesem Jahr die vieldiskutierten Mindestabstände für Windräder, Fragen der Akzeptanz und technische Innovationen.

In den ersten neun Monaten des Jahres 2018 gingen 102 neue Windenergieanlagen (WEA) mit einer Leistung von 315 Megawatt (MW) in Nordrhein-Westfalen in Betrieb. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das weniger als die Hälfte (2017: 249 Anlagen, 679 MW). Der LEE NRW rechnet für das gesamte Jahr 2018 nur noch mit einem Zubau von 400 bis 450 MW (2017: 869 MW).

Die meisten Anlagen wurden bisher in diesem Jahr im Münsterland zugebaut: 40 WEA, 138 MW. Es folgen der Regierungsbezirk Detmold mit 23 WEA und 66 MW, der Regierungsbezirk Düsseldorf mit 16 WEA und 47 MW Leistung sowie die Regierungsbezirke Köln und Arnsberg mit 13 WEA und 37 MW sowie 10 WEA mit 28 MW installierter Leistung (Stand: 30.09.2018).

Insgesamt drehen sich in NRW damit 3.659 Windenergieanlagen mit einer installierten Leistung von 5.772 MW (Stand 30.09.2018). Der Anteil der Windenergie am Stromverbrauch liegt in NRW mit 10,6 TWh bei 7,0 Prozent (Stand 31.12.2017). Der in NRW produzierte Windstrom reicht somit aus, um den jährlichen Haushaltsstrombedarf von rund 10 Millionen Menschen zu decken.

Download: Fakten zum Ausbau der Windenergie in NRW und Deutschland 01/2018-09/2018

Download: Auswertung der Windenergie-Ausschreibungen für NRW 2018